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In Matzen war es seit je her üblich, dass benachbarte Häuser miteinander Nachbarschaft pflegten. Dazu gehörte insbesondere die gegenseitige Hilfeleistung in Freud´ und Leid.

Bei Geburten kümmerten sich die Nachbarsfrauen um die Wöchnerin und das Kind. Sie sorgten dafür, dass die Arbeit auf dem Hof und im Haushalt erledigt wurde. Natürlich wurden die Nachbarn im Gegenzug dafür auch auf die Tauffeier eingeladen ( Nachbarschaftskaffee ).

Bei der Kommunion und den vielfältigen Vorbereitungen für dieses Fest, das früher meist zu Hause und nicht wie in den letzten Jahren in Gaststätten und Restaurants gefeiert wurde, halfen die Nachbarinnen sich ebenfalls gegenseitig. Auch hier folgte natürlich für die Helfer und Helferinnen der Nachbarschaftskaffee.

Gleiches gilt auch für die Hochzeiten, die früher auch in den ausgeräumten Stuben des Wohnhauses gefeiert wurden. Die Nachbarsfrauen besorgten das Vorbereiten, Kochen und Backen und halfen wor sie konnten. Im Gegenzug wurden Sie natürlich wiederum auf einen Helferabend in Form eines Nachbarschaftskaffees eingeladen.

Bei Trauerfällen in den Häusern ist es üblich, dass die Nachbarn am Sterbetag ins Haus kamen und kondolieren. Früher kamen sie auch noch zum Gebet, das für die im Hause aufgebahrten Toten gemeinsam gesprochen wurde. War ein Todesfall absehbar, war es auch üblich, den letzten Gang zu seinem Nachbarn zu machen um sich zu verabschieden. Ein schwerer Gang - aber ein alter und unumstößlicher Brauch.

Erst seit der Eingemeindung in die Stadt Bitburg im Jahr 1969 werden die Gräber noch von städtischen Bediensteten mit einem Grabbagger hergerichtet. Vorher war dies eine Aufgabe für zwei oder drei kräftige Nachbarn, die das Grab von Hand aushoben. War der Sarg mit dem Verstorbenen im Haus aufgebahrt, wie es ebenfalls bis in die 70er Jahre üblich war, so trugen die Nachbarn zu viert oder zu sechst den Sarg vom Haus zum Grabe. Auch heute ist dies noch Nachbarspflicht, den aufgebahrten Toten von der Einsegnungshalle zum Grabe zu tragen. Bei der Beerdigungsfeier werden natürlich alle Helfer und die gesamte Nachbarschaft eingeladen.

Die Nachbarschaftshilfe ist auch in der Landwirtschaft ein alter Brauch. Bei Geburtskomplikationen bei einer kalbenden Kuh wurden kräftige Männer gebraucht, die mit Stricken Geburtshilfe leisteten. Hier wurden zu jeder Tages- und Nachtzeit die Nachbarn hinzugerufen. Nach getaner Arbeit war meist ein Schnaps der "Lohn".

Manche Bauern hatten früher im Rahmen ihrer Nachbarschaft gemeinsam Maschinen angeschafft und halfen sich bei Heu- und Getreideernte gegenseitig. Gemeinsam ging die Ernte leichter von Hand, insbesondere wenn z. B. mehr kräftige Personen benötigt wurden, als auf dem einen Hof vorhanden waren.

Auch heute noch ist die Nachbarschaftshilfe aus Matzen nicht wegzudenken. Unter guten Nachbarn ist es kein Thema, sich gegenseitig mit Anhänger, Bohrmaschine, Hochdruckreiniger oder sonstigen Geräten auszuhelfen. Das Ganze sollte natürlich ein Geben und ein Nehmen sein. Manchmal gerät es allerdings auch zu einer sehr einseitigen Angelegenheit ...

Interessant bei den "Nachbarschaften" ist, dass man nicht allein durch die Tatsache, nebeneinander zu wohnen zum Nachbarn wird. Nein - Nachbarschaft muss man "machen", d. h., es gibt entweder eine althergebrachte Beziehung zwischen verschiedenen Häusern, aus der die "Nachbarschaft" stammt, oder es muß explizit eine Nachbarschaft "vereinbart" werden.