1862 - Der letzte Wolf in Matzen
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Sonntag, 17. Juni 2007
Die nachfolgende Geschichte wurde von Johann Sonnen (Sonnen Hanni - *1912 / +1994) überliefert, der sie seinerzeit  niedergeschrieben und veröffentlicht hat. Sie wurde uns nun von seiner Enkelin Petra Biddle geb. Sonnen aus Amerika übersandt:

Es war an einem kalten Wintertag im Februar 1862.

Nach einer kurzen Schneeschmelze Ende Januar war wieder starker Frost gekommen und die Bauern spannten die ausgeruhten Pferde an, um Stallmist auf die Felder zu bringen.

In langen Reihen lagen die dunklen Dunghaufen auf den leicht mit Schnee bedeckten Feldern, und die Krähen suchten darin nach etwas Fressbarem.

Gegen Abend sah man sogar Füchse auf die frischen Dunghaufen zukommen, denn der Hunger nagte ihnen sehr im Bauch. Bei der letzten Fuhre am Abend traute der Pferdeknecht seinen Augen nicht, denn ein grosses Tier, viel größer als ein Fuchs, schnüffelte an den Dunghaufen.

Der Hofhund, der mitgelaufen war, gebärdete sich wie toll und sträubte sein Nackenhaar. "Das muss ein Wolf sein", sagte der Knecht zu sich und jagte im Galopp nach Hause. Der Bauer, mein Großvater (Johann Sonnen), holte schnell im Haus seine Jagdflinte, als er wusste, was los war.

Dann eilte er zum "Pumpenmax", der auch eine Flinte besaß und selbst ein guter Jäger war. Nun versuchten beide von zwei Seiten an den Wolf heranzukommen, und es gelang.

Mit einem wohlgezielten Schuss konnte der "Pumpenmax" den Wolf erlegen.
 
Der "Pumpenmax" hieß wirklich Maximilian Sonnen und war von Beruf Stellmacher. Seine Spezialität waren hölzerne Pumpen. Er war ein entfernter Verwandter meines Grossvaters, er starb im Jahre 1913 in Trier. Das Wolfsfell besass er bis zu seinem Tode.

Dies war die Geschichte vom letzen Wolf auf der Gemarkung Matzen!