1944 - Primiz in Matzen
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Donnerstag, 15. März 2007

1944-Primiz.jpgEine Primiz ist die erste Heilige Messe eines neu geweihten katholischen Priesters, die dieser unter normalen Umständen wenige Tage nach seiner Weihe in seinem Heimatort feiert. Dies ist dann auch für die Heimatgemeinde ein großer Tag.

Die letzte Primiz in Matzen wurde am dritten Adventssonntag im Jahre 1944, nämlich genau am 17. Dezember 1944 gefeiert.

Der 3. Adventssonntag heißt im katholischen Kirchenjahr gaudete (lat. "gaudete" = seid froh!). Diese Vorfreude drückt sich in der katholischen Liturgie durch das rosafarbene Messgewand des Priesters aus, das das Violett der anderen Adventstage ablöst.

Der katholische Priester Johannes Lanser (* 24.09.1913, † 25.09.1992), war mit seiner Familie aus seinem Heimatort Minden an der Sauer nach Matzen zu seinen Verwandten evakuiert worden. Bei der Familie Welt in der Dorfstraße (jetzt Donatusstraße 11) hatte die Familie Lanser aus Minden Zuflucht gefunden.

Sicherlich hätte Johannes Lanser seine Primiz gerne in seinem Heimatort gefeiert. Aber dort tobten zu dieser Zeit schon die Kämpfe an der Westfront. Minden war völlig vermint, die Brücken über die Sauer nach Luxemburg gesprengt und die allermeisten Häuser zerbombt. Der Zivilbevölkerung hatte man aufgegeben, sich eine andere Bleibe zu suchen. Das nannte man damals "Evakuierung".

Aus diesem Grund waren die Lanser´s zur Verwandschaft nach Matzen geflohen, wo sie Unterkunft und Verpflegung bei Verwandten fanden. Aus der Not heraus wurde deswegen damals dann auch dann die Primiz in der Matzener Kirche gefeiert.

Die Kirche war, wie damals und heute noch bei Primizen üblich, wunderschön geschmückt - natürlich so, wie es mit den im Jahr 1944 zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglich war. Die Mädchen aus dem Dorf trugen ihre weißen Kommunionkleider und einen Kranz im Haar. Das Haus Welt und auch die Kirche hatte man mit schönen Girlanden und Laubzweigen verziert. Entlang der Kirche standen Stangen mit bunten Kirchenbannern und auch der Treppenaufgang zur Kirche war festlich geschmückt.

Vor der eigentlichen Primizfeier in der Kirche sprach der Jungpriester Lanser vor dem Hause Welt auf einer Kirchenbank kniend ein Dankesgebet. Seine Mutter und sein Vater standen dabei rechts und links neben ihm.  Danach ging es in einer festlichen Prozession zur Kirche, wo feierlich die erste heilige Messe des Jungpriesters in seiner "Heimatgemeinde" gefeiert wurde. Prälat Matthias Benz aus Bitburg, nach dem auch die Straße entlang der Peterskirche in Bitburg benannt ist, war nahm als kirchlicher Vertreter an der Feier teil.

Es war jedoch auch die Zeit vor der großen Fliegerangriffen auf das Bitburger Land vor und an Weihnachten des Winters 1944.

Augenzeugen erzählen, dass es wohl während der Feier am Sonntagmorgen zu einer Unterbrechung des Gottesdienstes gekommen sein soll, weil wegen feindlicher Flugzeuge ein Fliegeralarm ausgelöst worden war.

Die Matzener sollen damals aus Sicherheitsgründen die Kirche verlassen und Schutz im benachbarten Gelände gesucht haben.

Wie weiter berichtet wird, soll an diesem Tage niemand zu Schaden gekommen sein.

Nach der heiligen Messe begab man sich wiederum zum Hause Welt, wo die Primiz mit vielen Gästen weiter gefeiert wurde. Schließlich stellte man sich auch noch mit dem Jungpriester zum obligatorischen Familienfoto vor dem schön geschmückten Hause auf.

Wer kann sich noch an die Ereignisse des 17.12.1944 erinnern und nähere Detail-Angaben machen  - auch wenn es nur Erinnnerungssplitter sind  ???  Bitte lassen Sie uns das wissen !

Fotos vom feierlichen Ereignis hat uns freundlicherweise die Familie Lanser aus Minden zur Verfügung gestellt. Sie finden die Fotos hier unter "Matzener Bilder -> Historische Aufnahmen" bzw. durch Klick auf diesen Link...