Die Langmauer
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Freitag, 16. Februar 2007

Quer durch den Matzener Flurteil im „Stock“, dann durch den Dennenberg hinab zur Kyll, die 200 m nördlich der Mühle in Erdorf überschritten wird, sich weiter ziehend durch den Bann Erdorf, mit Unterbrechungen zu verfolgen bis nach Herforst liegt ein Mauerfundament in der Erde von etwa 1 m Breite. Bei einer Rodung im Tannenberg 1938 wurde etwa 100 m Länge dieser Mauer ausgegraben. 

So beschrieb Lehrer Mayer in seinem Manuskript über Matzen den Fund der altes römischen Mauerreste im Matzener Flur. Wo genau im "Dennenberg" diese 100 Meter der riesigen Mauer freigelegt wurde, ist zur Zeit nicht bekannt..

Rund vier Kilometer nordwestlich von Trier  beginnt ein ummauerter Bezirk, der den riesigen Bereich von 220 km² einschließt. Die riesige Ummauerung wird als Lang- oder Landmauer bezeichnet.

Die Mauer ist rund 72 Kilometer lang, ursprünglich wohl rund 2 Meter hoch und 65 bis 80 cm dick und aus dem jeweiligen örtlichen Gestein errichtet (Kalk- oder Sandstein). Heute ist die Mauer nur selten als kleiner Damm oder Steinwall erhalten.

Zum Bau der Mauer wurde vielfach auch Spolienmaterial verwendet. Zwei Bauinschriften werden unter anderem aufgrund des Schriftbildes ins 4. Jahrhundert datiert. In ihnen steht, dass die militärische Formation der primani zwei Streckenabschnitte dieser Mauer errichtet habe.

Die immense Größe des ummauerten Bezirks und eben die Tatsache, dass Militär zum Bau eingesetzt wurde, rücken diesen Domänenbezirk in unmittelbare Nähe des Kaiserhofes.

Im Jahre 286 hielt Kaiser Maximianus (286–305) erstmals Hoflager in Trier; von da an ist mit Erweiterungen des kaiserlichen Domänen-Besitzes zu rechnen.

Spätestens unter Konstantin I. (306–337), der ebenfalls zeitweilig in Trier residierte, dürften grosse Gebiete des Langmauernbezirks von der res privata erworben worden sein. Unter Constantius II. (337–361) wurde städtischer Grundbesitz einverleibt. Möglicherweise wurde auch das Fiskalgut außerhalb der Stadt erweitert.

Der ummauerte Bezirk dürfte durch den Kauf von Ödland nach den Germaneneinfällen Mitte des 4. Jh. abgerundet worden sein. Drei nach 350 vergrabene Münzschätze im Langmauernbezirk zeigen, dass auch dort Germanen zumindest gefürchtet wurden. Julian (355/361–363) hatte konfiszierten Grundbesitz in der Gegend von Trier wieder zurückgegeben, deshalb muss die Langmauer wohl später datiert werden. Zwischen 340 und 363 wurde zudem von Constans (337–350) und Julian in vier scharfen Gesetzen die violatio sepulcrorum (Schändung von Heiligtümern) verboten; in der Langmauer finden sich jedoch Grabmalspolien.

Datierung und Deutung der Langmauer
Für die zeitliche Einordnung der Langmauer ist auch massgeblich, dass Trier zeitweilig zur Residenzstadt der römischen Kaiser wurde.

Julian residierte in Paris. Erst Valentinian I. (364–375) zog im Herbst 367 von Paris nach Trier, wo er bereits in den 60er Jahren das Gemeindeeigentum konfiszieren liess.

Für die Zeit von 367 bis 381 sind mehrfach pro Jahr kaiserliche Gesetzeserlasse in Trier belegt. 383 bis 387 residierte Maximus (383–388) in Trier. Für einige Monate 389 bis 390 war Valentinian II. (375–392) in der Stadt. Von da an wandten sich die Kaiser von augusta treverorum ab: Zwischen 395 und 400 wurde die Präfektur Galliens nach Arles verlegt, die Residenz nach Mailand.

Wegen der Germaneneinfälle wäre zu dieser Zeit in ungeschützter Lage keine solche Prachtentfaltung mehr möglich gewesen, wie sie im Langmauernbezirk oder überhaupt im Trierer Raum anzutreffen ist.
Das Gebiet der Langmauern war noch im 7. Jahrhundert geschlossen in der Hand der merowingischen Könige: Dagobert I. (623–638) schenkte den westlichen Teil dem Kloster St. Pauli, grosse Gebiete im Osten dem Frauenstift Oeren-St. Irminen in Trier.

STEINHAUSEN, ein bekannter Historiker, sieht in der Langmauer keinen fortifikatorischen Zweck, sondern eine landwirtschaftlich genutzte Domäne. Der fruchtbare, locker und inselartig bewaldete Charakter der Landschaft spricht auch gegen ein kaiserliches Jadgehege (vivarium).

Am ehesten dürfte intensiver Ackerbau angenommen werden, der zur Versorgung des nahe gelegenen Kaiserhofes diente. Die Verwendung von Spolien, Bauinschriften sowie die geschichtlichen Umstände lassen es sinnvoll erscheinen, dass die Mauer erst nach 363 – nach dem Verbot der violatio sepulcrorum – errichtet worden ist.

Die späte Entstehung und der Truppeneinsatz für den Bau lassen den Schluss zu, dass der Bezirk der Langmauer kaiserlicher Besitz war.

Jedoch ist die genaue Schutzfunktion dieser Mauer nicht eindeutig geklärt. Historiker gehen überwiegend davon aus, dass sie mehr dem Schutz einfallenden Wildes diente, denn rein militärischen Zwecken.

Das Foto zeigt ein restauriertes Stück dieser Mauer in der Nähe von Butzweiler.