1991 Höttenbrennen - uralter Brauch im Wandel der Zeit
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Montag, 8. Januar 2007

"Wu den Damp vun der Hett gingät,
su de Wand de ganze Virsumer bestäht !"

/Zeitungsartikel aus dem Eifeljournal vom 21.02.1991´)

Kreis(1). Am vergangenen Sonntag waren auf den Höhen der Eifelorte große Feuer, meist in Form eines Kreuzes zu sehen: Das "Hüttenbrennen", ein uralter Eifeler Brauch mit heidnischem Ursprung.

Das Eifel-Journal hat die Hütten-Jungs aus Matzen (Bitburg) bei ihrer Arbeit beobachtet.

Bereits samstags wurden die Bewohner aufgefordert, Stroh, alte Weihnachtsbäume und Reisig bereitzustellen. Wie Klaus Lichter, der Chef der Mannschaft, besonders betonte, halte man sich genau an die Anweisungen der Kreisverwaltung. Während in früheren Jahren noch alte Autoreifen und ähnliche Materialien für eine lange Brenndauer des Kreuzes sorgten, muss heute eine ausgefeilte Technik beim Binden des Strohs um für eine etwas längere Brenndauer sorgen.

Der Baumstamm war bereits vorher in Absprache mit dem Ortsvorsteher aus dem Windwurf des gemeindeeigenen Waldes von den älteren Teilnehmern unter Zuhilfenahme der heutigen Technik besorgt worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In früheren Jahren war das Aufstellen des Baumes schon ein gefahrenreiches Erlebnis, wleches mit reiner Muskelkraft bewältigt werden musste. Aber ach hier hat die "HiTec" schon Einzug gehalten. PS-starke Traktoren mit Frontladern und Seilwinden haben dem ganzen Abenteuer ewtas den Reiz genommen, aber auch dafür einige Gefahren ausgeschlossen.

Lobenswerterweise hat sich die Stadt Bitburg (dazu gehört der Ortsteil Matzen) auch für die Erhaltung des alten Brauchtums eingesetzt. Im letzten Flurbereinigungsverfahren wurde ein gesonderter Platz zum Zweck des Hüttenbrennens ausgewiesen und die entsprechenden Vorrichtungen zum Aufstellen des Baumes geschaffen.

Zum Abbrennen des Kreuzes traf sich die halbe Dorfbevölkerung auf der Höhe.

Währenddessen machten sich schon die jüngeren Teilnehmer auf den Weg, um "die Eier einzusammeln". Dem alten Brauch zufolge müssen die Dorfbewohner die Eier "stiften". Bargeld ist natürlich heutzutage auch sehr willkommen.

Das Ehepaar, das zuletzt geheiratet hat, ist verpflichtet, für die Gemeinschaft die Eier zu backen. Dies sollte normalerweise im Haus der Eheleute geschehen, jedoch ist man aus Gründen der Zweckmäßigkeit und des Raummangels ins heimische Lokal ausgewichen. Gerti und Hermann Josef hatten alle Hände voll zu tun, um die hungrigen Mäuler zu stopfen.

Die ganze Zeremonie wird von den Junggesellen der Dorfgemeinschaft durchgeführt. Weibliche Wesen sind nach dem alten Ritual nicht zugelassen. Aber auch hier ist schon die Veränderung spürbar. Während des Aufbaus und am anschließenden "Gelage" beteiligen sich heute auch schon die Freundinnen, die nachmittags für Kaffee und Verpflegung und abends mit für Stimmung sorgen.

Auch die Hütten-Jungs sind älter geworden. Früher waren vornehmlich die Schulabgänger in das Ritual eingebunden. Dies bereite heute immer mehr Sorgen, wie Klaus Lichter berichtet, da durch den Besuch von weiterführenden Schulen, Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen dem Weggang und Zuzug von außerhalb, die Dorfgemeinschaft der früheren Jahr nicht mehr existiere. Dies sei auch für ihn und einige andere der "älteren Semester" der Grund gewesen, sich nochmals an der ganzen Aktion zu beteiligen, obwohl man sich schon zu alt dafür fühle. Man hoffe, daß im nächsten Jahr auch ein Jüngerer die "Häuptlingsrolle" übernehmen werde.

Das Eifeljournal möchte an dieser Stelle, wohl auch im Namen seiner Leser, allen, die in dieser Art und Weise zur Unterstützung des alten Brauchtums beigetragen haben, Dank sagen.

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Quelle: Eifeljournal vom 21.02.1991, S. 8: