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Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Montag, 11. Dezember 2006

"Pieatchen straien" a Matzen

Das ziehen einer Kalkspur ist in weiten Teilen Deutschlands eine alte Tradition, um zwei liebende oder sich noch nicht liebende Herzen zueinander zu führen oder um der Öffentlichkeit einen Wink auf das geheime Liebesleben der Beteiligen zu geben.

So auch in Matzen: "Pietchen straien" nennt man hier den alten Brauch:
Wenn ein Junge aus dem Dorf zu einem ebenfalls ortsansässigen Mädchen freien ging, wurde auch schon mal ein sogenanntes "Pfädchen" gestreut.

Hierzu benötigte man zunächst Löschkalk, Wasser und ein leicht zu reinigendes Fluchtfahrzeug und nicht zuletzt ein paar getreue Helfer. In einem Eimer oder einer Bütt wurde mit Wasser Kalk angerührt. Mit der Kalkbrühe wurde dann eine Spur vom Haus des Freiers zum Haus der Braut gezogen wurde.

Wichtig war, das es möglichst nicht regnete, sich niemand auf der Straße befand, der als Zeuge die Täter entlarven könnte. Daher wurde das Pfädchen-Streuen auch immer abends oder nachts erledigt.

Meist wurde zum Streuen der Brühe ein Fahrzeug benutzt: Einer fuhr und der andere sass im Kofferraum und goß mit einer Gießkanne die Kalkbrühe auf die Straße und erzeugte so die Spur. An den Enden, den Häusern der beiden Liebenden wurde dann mit der Kalkspur entweder ein dicker Klecks oder ein Herz gezeichnet. Wenn der Kalk dann getrocknet war, ergab sich eine hartnäckige und schwer zu entfernende Markierung, ausgehend vom Haus des Bräutigam zum Haus der Braut.

So war das Pfädchenstreuen eine Sache von nur ein paar Minuten - und am nächsten Morgen - meist sonntags, wenn alle kurz Kirche gingen - war sofort bekannt, wer zu wem im Dorf Freien ging.

Es soll auch schon vorgekommen sein, dass die Eltern am des Mädchens am frühen Morgen die Spur als erste entdeckten und mit einem Gartenschlauch und Schrubber versuchten, den "Makel" zu entfernen.

Ein anderes Mal ist überliefert, dass die Spur vom betroffenen jungen Mann selbst weitergeführt wurde zu einem anderen Jüngling in dem Bemühen, von sich selbst abzulenken und dadurch den "Verdacht" auf einen anderen Burschen aus dem Dorf zu lenken.

 
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