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Klapperjungen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Montag, 11. Dezember 2006

Klapper mit EinsatzplanJedes Jahr an Gründonnerstag fliegen die Matzener Glocken nach Rom und können daher nicht zur Betglocke, zum Rosenkranz und zur Messe läuten.
 
Aus diesem Grund wird in Matzen, wie in den meisten Eifeldörfern auch, dieser Dienst von den Klapperjungen übernommen.

In einigen Eifeldörfern ist das Klappern Aufgabe der Messdiener. In Matzen hingegen kann jeder männliche Matzener ein Klapperjunge werden, wenn er "zur Kommunion" aber noch nicht "aus der Schule" ist. Das mit der Kommunion wurde jedoch nicht so streng genommen, da früher auch schon einige evangelische Jungen in Matzen mit geklappert haben. Das Alter musste halt stimmen. "Aus der Schule" war man früher standardmäßig nach der 8. Klasse der Volksschule. Nachdem es keine Volksschulen mehr gibt, wurde die Hauptschule mit der 9. Klasse als Standard genommen. Demnach sind die Klapperjungen ca. zwischen 11 und 15 Jahre alt.

Klappern ist in Matzen seit jeher "Männersache". Traditionell werden nur männliche Kinder "Klapperjungen", obwohl die Mädchen inzwischen auch als Ministrantinnen dienen. Da es in Matzen aber noch nie Nachwuchsmangel bei den Klapperjungen gegeben hat, sind die sporadischen Versuche der Mädchen, auch mit klappern zu gehen, bisher gescheitert.

In Matzen wird auch auf eine ganz besondere Weise geklappert:

Während in den meisten anderen Eifeldörfern einfach nur an der Kurbel der Klapper gedreht wird, ist es in Matzen seit jeher Brauch, im Takt zu klappern: "Rapp - Rapp - Rapp -  Rapp" - so schallt es durch das Dorf, wobei das Echo der Klappern in den engen Gassen ein ganz besonderes Hörerlebnis darstellt. Mutmaßungen, dass dieser militärisch anmutende Takt ein Relikt aus der unseligen NS-Zeit sei, haben sich nicht bestätigt. Das Klappern im Takt soll, wie ältere Matzener berichtet haben, mindestens schon seit den 1920er Jahren genau in dieser Form Brauch gewesen sein.
 
Und weil es nicht so einfach ist, im Gleichklang und im Takt zu klappern, muss das zuvor geübt werden. In der Woche vor Ostern gehen die Jungen daher in Richtung "Otrang" an einen Schuppen, wo sie von der Öffentlichkeit unbeobachtet üben können.

Als "Ausbilder" fungieren die "Hauptmänner", das sind die zwei oder drei ältesteten Klapperjungen, die ihre "Erfahrung" an die jüngeren weitergeben. 

Früher fanden diese Klapperübungen im "Katzenloch", einem Bereich westlich von Matzen statt, der mit Hecken rundherum zugewachsen war. Seit einigen Jahren gehen die Jungen nunmehr jedoch nördlich des Dorfes in Richtung Otrang und üben dort an einem Schuppen (von Fuchs).

Ab Gründonnerstag wird morgens, mittags und abends geklappert.

Aufstellung ist am alten Wasserhäuschen am Ende der Oberstraße (oben auf dem Kuust). Dort formieren sich die Klapperjungen in Zweierreihen, die Kleinen vorn, die Großen hinten. Die Hauptmänner haben keinen festen Platz, sondern gehen rechts oder links bzw. vor oder hinter der "Formation". 

Die Klapperjungen ziehen dann von der Oberstraße Richtung Donatusstraße. Dort wird erst der nördliche Teil "geklappert", dann  geht es die Donatusstraße herunter Richtung Auf der Held. An den Höfen mit größeren Einfahrten teilt sich die Zweierreihe auf: Eine Reihe geht links, die andere Reihen geht rechts -mit je einem Hauptmann- in die Einfahrt und klappert dort. Über die Held und den Neuen Messenweg geht es durch Lerchenstraße wieder zur Einmündung Oberstraße.

Das Klappern beginnt jeweils gemeinsam auf das Kommando des Hauptmann: " Drei - Vier " - und alle Klapperjungen legen los und klappern im Gleichtakt ihr " Rapp - Rapp". An ausgewählten Stellen, die von den Hauptmännern bestimmt werden, ruft einer der Hauptmänner "HAAALT !  ". Darauf hören die Klapperjungen auf zu Klappern und vermelden ihre Nachricht:  

Morgens rufen die Klapperjungen "Ett leit Beatglock - ´t leit Beatglock - ´t leit Beatglock ".


Gegen Mittag rufen sie: " Ett leit Mettisch - ´t leit Mettisch - ´t leit Mettisch ".

Auch die Aussiedlerhöfe werden in das Klappern mit einbezogen. Vor der eigentlichen Runde fahrt je eine Abordnung von drei, vier Klapperjungen zu den Außengehörften und klappert dort ebenfalls.


Am Abend müssen die Jungen zwei Mal durch das Dorf gehen. Es wird nämlich zwei mal auf den Rosenkranz aufmerksam gemacht. Bei der ersten Runde rufen die Jungen dreimal : "Ett leit ischt fier an de Ruusekranz" . Bei der zweiten Runde folgt dann die letzte Aufforderung, den Rosenkranz zu besuchen "Ett leit ous !!!".

Beim Rosenkranz an Karfreitag wird an der Stelle, an der der "Engel des Herrn" gebetet wird, anstelle des Glockengeläuts ebenfalls geklappert. Diese Übung ist eine besondere Herausforderung an die Klapperjungen: Wenn die besagte Stelle im Rosenkranzgebet kommt, gibt einer aus der Kirche das Zeichen an die übrigen Klapperjungen, die draußen stehen. Dann laufen pro Seite der Kirche jeweils zwei Klapperjungen an der Kirche entlang und drehen lautstark ihre Klappern. Am Ende angelangt starten zwei weitere Klapperjungen. So wird mit insgesamt 8 Klapperjungen die Kirche einmal umrundet. Für die Besucher, die in der Kirche sitzen, ergibt dies auch ein ganz besonderes Klangerlebenis, da die Kirche von Klappern umrundet zu werden scheint. Heutzutage könnte man das auch als Vorläufer der "Surround-Technik" bezeichnen. Ein alter und sehr schöner Brauch.

Strichliste mit EintragungenDisziplin wird bei den Matzener Klapperjungen groß geschrieben. Die "Hauptmänner" haben genaue Regeln, an die sich alle halten müssen. Und die werden streng überwacht. Wer sich nicht einfügt, bekommt ein Ei abgezogen ("Dou kress en Ai offgezoren!") Früher bedeutete dies, dass bei der Verteilung des Klapperlohns als Strafe ein Ei weniger zugeteilt wurde. Heute führen die Häuptlinge "Strichlisten", auf denen die Vergehen und Disziplinlosigkeiten registriert und dann entsprechend geahndet werden.

Höhepunkt der österlichen Klapperaktion ist jedoch für die Klapperjungen jedesmal die Osternacht.

Mitten in der Nacht, so gegen 03:00 Uhr, stehen die Klapperjungen auf und gehen klappernd durch das Dorf. In dieser Nacht wird auch nicht im Takt geklappert, sondern einfach an der Klapper gedreht.

Mit dem Ruf "Stitt opp - Stitt opp - ´dass Usterdach" wecken die Klapperjungen die Matzener. In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, dass der Ruf noch ergänzt wird um den Zusatz: "Hat Dier gehiert ?". So will man sicherstellen, dass der Osterruf auch angekommen ist.

Klapperjungen in der Osternacht 2002

Denn das hat sicher auch direkte Auswirkung auf den Lohn der Klapperjungen, der am Ostersonntag in den Matzener Häusern eingesammelt wird. Mit Eier ( rohen und gefärbten ) und insbesondere mit Geld werden die Klapperjungen für Ihren Dienst entlohnt.

Die eingesammelten Eier, das Geld und auch Süssigkeiten werden dann am Sonntagmorgen am Gemeindehaus unter den Klapperjungen aufgeteilt.

Bei der Aufteilung des Klapperlohnes bestimmen die Hauptmänner das Verteilungssystem. Naturgemäß kommen sie daher immer am besten weg. Es gab aber auch schon Hauptmänner, die angeordnet haben, dass alle gleichviele Eier und Geld erhalten sollten. Meist ist aber der Lohn nach "Erfahrungsstufen" gestaffelt. Und schließlich werden bei der Lohnteilung auch noch die Stafen für Disziplinlosigkeiten oder unentschuldigtes Fehlen "verrechnet".

 
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