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1950 - Der letzte Matzener Kriegsheimkehrer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Mittwoch, 14. April 2010

Den nachfolgenden Bericht hat die Zeitzeugin und Schwester des letzten Matzener Kriegsheimkehrers, Frau Regina Sonnen, auf unsere Bitte hin freundlicherweise für die Matzener Internet-Seiten niedergeschrieben und zur Verfügung gestellt, damit dieses historische Matzener Ereignis in unser aller Erinnerung bleibt. An dieser Stelle Vielen Dank !

1950-Heimkehrer-Peter-Sonnen.jpgDie Heimkehr des letzten Matzener Kriegsgefangenen Peter Sonnen
von Regina Sonnen, Bitburg

Das Jahr 1950 begann für die Gemeinde Matzen mit einem erfreulichen Ereignis:
Am 01. Januar 1950 kam Peter Sonnen 24-jährig, nach 5-jähriger Gefangenschaft in Russland nach Hause zurück.

Durch eine Depesche hat die Familie Sonnen den Tag und die Stunde der seiner Ankunft erfahren. Seine Mutter und seine Schwester Regina begrüßten ihn am Bahnhof in Trier. Dann fuhren Sie gemeinsam mit dem Zug bis Erdorf. Dort erwartete ihn sein Zwillingsbruder Christoph und seine Schwester Elfriede; sein Bruder Christoph war am 30. März 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Er hat den Vater noch lebend angetroffen, der einige Monate später verstarb.  

Auch die Gemeinde ließ die Gelegenheit nicht vorübergehen, ihn am Bahnhof zu begrüßen. Tags zuvor war die Kutsche von Leners in Bereitschaft gestellt worden. Zehn Fahrräder standen ebenfalls bereit. Der Sonnenhof stellte Ross und Reiter. Alles, Ross, Reiter, Fahrräder und Kutsche waren festlich mit Tannengrün und Blumen geschmückt.

Nachdem nun der Heimkehrer den Zug mit seinen Angehörigen verlassen hatte, bestiegen sie die Kutsche, welche Robert Leners fuhr. Der Zug setzte sich bei herrlichem sonnigem Winterwetter nach Matzen in Bewegung. An der Spitze ritt stolz der Reiter Franz Sonnen vom Sonnenhof, dann fünf Radler vor und fünf Radler hinter der Kutsche. Es waren dies die folgenden Kriegsteilnehmer: Adam Weimann, Philipp Jegen, Baptist Strauch, Theo Barg, Nikolaus Fuchs, Johann Lichter, Johann Sonnen, Peter Diedrich, Jakob Welt und Nikolaus Kimmlingen. Bei der Einfahrt in den Ort wurden die Glocken geläutet.

Die ganze Gemeinde nahm regen Anteil und folgte dem Zug bis zum Elternhaus des Heimkehrers. Dasselbe war festlich geschmückt, zu beiden Seiten von einer Fichtengirlande eingerahmt, die fast bis zur Erde herab hing.
Als der Zug angekommen war, hielt der Ortsbürgermeister Peter Kalkes eine kleine Ansprache und führte aus, dies sei nun der letzte Heimkehrer, der noch mit seinen Angehörigen in schriftlicher Verbindung gestanden habe. Möge es doch nicht der Letzte sein, denn es waren noch neun Vermisste zu beklagen.

Nachdem der Bürgermeister seine Ansprache beendet hatte, dankte der Heimkehrer in bewegenden Worten dem Bürgermeister und der Gemeinde für den herzlichen Empfang, den sie ihm bereitet hatten.

Am Abend war Familienfeier im Hause, wozu auch die Nachbarn eingeladen waren. Bei Kaffee, Kuchen, Fleisch, Wurst, Süßigkeiten und Getränken verlief der Abend sehr heiter. Lieder wurden gesungen, Witze erzählt, auf einer Mundharmonika wurden fröhliche Weisen gespielt.

Dieser Tag wird uns in Erinnerung bleiben. Wir haben auch derer gedacht, die ihr Leben dem Vaterland geopfert haben und auch derer, die noch vermisst sind und niemals mehr das Glück haben, ihre Heimat wieder zu sehen. Dies waren bittere Tropfen im Becher der Freude. Zu ihnen gehört auch der älteste Bruder des Peter Sonnen, Nikolaus Sonnen. Er gehörte zur 6. Armee, war im Stalingrad-Kessel und ist 1943 gefallen.

Sein anderer Bruder Joseph ist seit Kriegsende vermisst. Auch sein Vater hat seine Heimkehr nicht mehr erlebt, er starb 1947.

Das Schicksal von Peter Sonnen war sehr tragisch. Im Februar 1945 hatte er noch Heimaturlaub und musste am 20. Februar zu seiner Einheit zurück. Schon sieben Tage später kam die Front über Matzen. Seine Eltern hatten nicht den Mut, ihn zu verstecken bis die Front Matzen erreicht hatte. Er kam noch nach Russland an die Front und geriet dadurch in russische Kriegsgefangenschaft, in der er fünf Jahre seiner Jugend verbrachte.

Unerwartet kehrte in der Nacht zuvor auch noch Theodor Kisgen aus russischer Gefangenschaft zurück.

Am 8. Januar war in der Matzener Kapelle ein Gottesdienst für die Heimgekehrten aus Gefangenschaft als Dankopfer, als Sühneopfer für die Gefallenen und zur Hoffnung auf baldige Heimkehr der Vermissten.

Am Abend war eine weltliche Feier auf den Sonnenhof für alle Kriegsteilnehmer.

 

 
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