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Eisenbahnlinie auf Matzener Bann PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Donnerstag, 7. Dezember 2006

Eine Eisenbahnlinie auf Matzener Bann

Die Anbindung der Kylltalbahn an die Nimstalbahn erforderte eine Verbindung von Erdorf über Bitburg ins südliche Kreisgebiet. Diese Verbindung Erdorf-Bitburg verlief in weiten Teilen über den Matzener Bann. Daher hier auch kurz diese Fakten aus der Hochzeit der Eisenbahn:

Die 1869 bis 1871 erbaute Eisenbahnlinie Köln-Trier, die sog. Kylltalbahn, schloß den östlichen Teil des Kreises an das Schienennetz an. Die im Kylltal verlaufende Strecke – teilweise nur über beschwerlich absteigende Wege erreichbar – berührte jedoch keine der beiden Kreisstädte.

 

Mit dem Bau der Linie Gerolstein-Prüm-Pronsfeld-Bleialf-St. Vith in den Jahren 1882 bis 1888 wurde der ehemalige Kreis Prüm an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die nach Süden abzweigende Verbindung Pronsfeld-Neuerburg wurde 1907 ihrer Bestimmung übergeben. Der südwestliche Teil des Kreises blieb von der Eisenbahn lange Zeit unerschlossen.

 

Die Dörfer nahe der luxemburgischen Grenze lagen jedoch im Einzugsbereich der Sauerlinie der luxemburgischen Prinz-Heinrich-Bahn, die 1873 ihren Dienst aufnahm.

 

Erdorf, die Bitburg am nächsten gelegene Station der Kylltalstrecke, befand sich 6 km von der Kreisstadt entfernt. Ein bald nach deren Eröffnung 1871 geplante Linie von Erdorf über Bitburg nach Minden zur projektierten Sauerstrecke wurde wegen zu erwartender Unrentabilität nicht realisiert.

 

In den folgenden Jahren erfolgten verschiedene vergebliche Versuche, die Genehmigung einer Verbindung der Kylltalstrecke über Bitburg mit dem Nimstal zu erwirken: So wurde 1873 ein Gesuch des Landrats zum Bau einer Linie von Erdorf über Bitburg, das Nimstal, Echternach bis Diekirch abgelehnt; der Antrag des Bitburger Stadtrates 1882, die Einrichtung einer Strecke Erdorf-Bitburg-Minden näher zu prüfen wurde vom Trierer Regierungspräsidenten nicht weitergeleitet; ein weiterer Bauantrag des Landrats, dem ein Beschluß des Stadtrates voran ging, wurde1886 vom Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten wegen des abzusehenden Defizits abgelehnt.

 

Zudem habe die Stadt sich nicht bereit erklärt, die gesamten Grunderwerbskosten zu übernehmen, wie beim Bau von Staatsbahnen in Preußen nach den Richtlinien vom März 1852 üblich. 1891 verpflichtete sich der Stadtrat daraufhin, Grund und Boden für im Kreis geplante Eisenbahnen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Konkret handelte es sich um drei geplante Linien: Erdorf-Bitburg-Nimstal-luxemburgische Landesgrenze, von der Linie St.-Vith-Gerolstein über Neuerburg durch das Enztal zur luxemburgischen Landesgrenze bzw. durch das Prümtal zur luxemburgischen Grenze.

 

Die Zusage sollte zunächst für die Strecke, deren Ausbau die königliche Staatsregierung als vorrangig ansehe, gelten, wobei der Stadtrat den Ausbau der erstgenannten Linie favorisierte. Die Initiative wurde im April 1892 vom Oberpräsidenten unter Hinweis auf die „zahlreichen ...dringenden Verkehrsbedürftnisse anderer Landesteile“ abgelehnt.

 

Der Eingabe an den Regierungspräsidenten vom Juli 1899 betreffend den Bau einer privaten elektrischen Kleinbahn entlang der Straße von Erdorf nach Bitburg wurde im Oktober desselben Jahres mit einer Baugenehmigung stattgegeben. Anfang 1900 war die Errichtung zweier Güterbahnhöfe am Marktplatz und am Grünen See mit privaten Anschlüssen vorgesehen. Landrat von Kessler, ab Mitte 1900 im Amt, verhinderte jedoch die Ausführung zugunsten des Projektes der Normalspurbahn im Nimstal mit Verbindung von Irrel über Sinspelt nach Neuerburg. Nach weiteren Bemühungen im Jahre 1903 (unter anderem eine Reise des Landrats nach Berlin) wurde die Eisenbahndirektion Saarbrücken im März 1904 vom Minister angewiesen, Vorabeiten für die Strecken Bitburg-Erdorf-Irrel, Neuerburg-Irrel-Igel und Neuerburg-Oberweis-Bitburg aufzunehmen.

 

Die Genehmigung zum Bau und Betrieb der am dringlichsten eingestuften Strecke Erdorf-Irrel wurde im Juni 1906 durch Gesetz erteilt.

 

Die Anlage des ersten, 6 km langen Teilstücks der eingleisigen Nebenbahn von Erdorf nach Bitburg wurde 1907 begonnen. Die Fertigstellung verzögerte sich durch einen Erdrutsch im Kylltal bis 1909. Die feierliche Einweihung und Eröffnung erfolgte im Januar 1910.

 

Die Indienststellung des 11,5 km langen Stücks vom Bahnhof Bitburg zum auf Alsdorfer Gemarkung gelegenen Bahnhofs Niederweis erfolgte im Oktober 1911, der dritte, 4 km lange Abschnitt bis Irrel wurde im Juli 1912 dem Verkehr übergeben.

 

Nachdem die Strecke Igel-Wintersdorf im September 1915 eröffnet war, wurde das 12,5 km lange Verbindungsstück Wintersdorf-Irrel im Oktober des selben Jahres, 42 Jahre nach dem ersten Vorschlag einer Verbindung Erdorf – Sauerstrecke in Betrieb genommen. Da von Pronsfeld aus seit 1907 neben einer Stichbahn nach Waxweiler auch eine Abzweigung nach Neuerburg bestand, gab es nur noch eine einzige Lücke der strategisch wichtigen Bahnverbindung Trier-Aachen zwischen Irrel und Neuerburg, deren Schließung der Erste Weltkrieg jedoch verhinderte.

 

Die Kunstbauten der Strecke Erdorf Minden mussten nach dem Zweiten Weltkrieg alle erneuert bzw. neu aufgebaut werden. 1968 wurden die Linie für den Personenverkehr stillgelegt, der Güterverkehr zwischen Erdorf und Irrel wurde aufrechterhalten.

 

Im Frühjahr 1986 erfolgte eine Stilllegung der Gleise zwischen Bitburg und Irrel, die in der Folge mit allen zugehörigen Einrichtungen (Signale, Lokschuppen, Kohlebansen, Wasserkrähne und ähnliches) demontiert wurden.

 

Die Stadt Bitburg kaufte im Jahr 2002 zum Preis von 245 000 Euro die sechs Kilometer lange Schienenstrecke zwischen Erdorf und Bitburg. Sie wird seither von den Stadtwerken bewirtschaftet. Güterverkehr findet allerdings dort auch nicht mehr statt, sondern nur einige Sonderfahrten.

 

Die Strecke nach Wolsfeld – Irrel ist inzwischen zu einem Radweg umgebaut worden, nachdem mit der Brücke in der Saarstraße die Verbindung zum übrigen Schienennetz gekappt worden war.

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Quelle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland
Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz
Kreis Bitburg-Prüm 9.2
Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel
Von Bernd Altmann und Hans Caspary
Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1997
ISBN 3-88462-132-7, Seite 59 ff.

Mit freundlicher Genehmigung der Denkmalschutzbehörde

 
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