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Wie Großmutter betrogen wurde PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Montag, 20. Juli 2009

Wie Großmutter betrogen wurde, die Arme!
Von Johann Sonnen †, Bitburg-Matzen - Quelle: Heimakalender des Kreises Bitburg-Prüm 1995

An meine Großeltern erinnere ich mich noch sehr gut. Er war groß und stattlich, hatte in Berlin-Potsdam bei der Garde gedient, trug einen Kinnbart und war sehr kinderlieb. Sie war nur knapp mittelgroß und von etwas fülliger Figur und trug die damals üblichen weiten Wollröcke, hinter denen wir Kinder uns gerne versteckten. In ihrer Rocktasche hätte der Rosenkranz, den sie oft und gerne betete, seinen ständigen Platz, denn sie war sehr fromm und gottesfürchtig. Sie sollte als junges Mädchen eigentlich ins Kloster gehen, hat sich aber dann doch für die Ehe entschieden. (Ihre Frömmigkeit ist nie nach dieser Entscheidung erblaßt.)

Oft mußte Großvater mit ihr den Rosenkranz beten, ob er wollte oder nicht. Sie ließ nicht locker. Damals war es in der Fastenzeit üblich, innerhalb der Familie den Rosenkranz zu beten. Dies tat man dann meist im Anschluß an das gemeinsame Abendessen. Den Männern paßte dies nicht so recht, denn man hätte zu gerne noch ein Kartenspielchen gemacht. Aber Oma war da unerbittlich und begann sofort nach dem Essen mit den Rosenkranz, und den Männern blieb kein Ausweg. Doch eines Tages hatten sie eine Methode gefunden, den Rosenkranz „abzukürzen"! Und das ging dann so: Oma und Opa saßen immer im Takeneck, und der große Schrankofen hatte die ganze „Große (Gute) Stube" zu heizen. Natürlich wurde immer gut einge¬heizt, und das Takeneck war immer zuerst warm. Die Folge war, daß Oma oft schon beim zweiten oder dritten Gesätz des Rosenkranzes einnickte.

Diesen Umstand nütz¬ten die Männer dann rigoros aus, indem sie das Gesätz beendeten und den „Engel des Herrn" begannen. Dazu standen alle von ihren Sitzen auf und knieten sich darauf. Das ging nicht ohne Gepolter und Oma wachte schreckhaft auf. Sie blickte dann mi߬trauisch auf Opa, meinen Vater und die anderen und konnte einfach nicht glauben, daß sie so lange geschlafen hat. Doch was half es, der Rosenkranz war zu Ende gebetet! Die Männer lachten sich ins Fäustchen, weil das so gut geklappt hatte und waren weiterhin bedacht, den Ofen gut einzuheizen, und dann gelang der Trick auch fast immer.

Eines Tages bekam Oma doch Wind davon und heizte den Ofen selber ein, aber nicht ohne den Männern eine Standpauke zu halten, da deren Vergehen in ihren Augen einer Todsünde gleichkam! — Aber ab und zu klappte es doch . . .

 
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