Menu Content/Inhalt
Home arrow Brauchtum arrow Trouliechter a Matzen
groessere Schriftkleinere Schrift

Zur Zeit online

Aktuell 1 Gast online

Besucher seit 16.12.2006

7773025 Besucher
Trouliechter a Matzen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Mittwoch, 29. Oktober 2008

trouliechter.jpg„Trouliecht“ nennt man heute abfällig eine einfältige, behäbige und nicht allzu gewandte Person. „Troulicht“ hat aber in Matzen auch noch eine andere Bedeutung: So nannte man nämlich früher die ausgehöhlten Rüben, die die Kinder im Herbst abends mit einer Kerze vor die Haustüren stellten. Dies war in Matzen seit altersher in der dunklen Herbstzeit, unmittelbar nach der Rübenernte Brauch.

Die Kinder mußten früher in den Herbstferien – aber auch außerhalb der Ferien nach der Schule – auf dem Feld mithelfen, die Rüben zu ernten. Dazu wurden die „Rummeln“ aus dem Boden gezogen und in Reihen gelegt. Dann ging einer mit einem scharfen „Schälmesser“, wie man es von den Waldarbeitern zum Entrinden der Baumstämmen kennt, an der Reihe entlang und trennte Rübe um Rübe vom Blattwerk, das man übrigens auf Blatt „Kleaw“ nannte.

Danach kam der Traktor mit einem Wagen, auf den die Rüben mit der Hand aufgeladen wurden, bis er fast barst. Mit dem Traktor ging es dann entweder zum Bauernhof in den Rummelnkeller oder es wurde eine Rübenmiete außerhalb auf einem Feld ausgehoben. Dort wurden die Rüben über „Rutschen“ möglichst schonend abgeladen und mit Stroh und Boden frostsicher abgedeckt, um im Winter Futtervorrat für das Vieh zu haben.

Die Kinder konnten sich damals bei dieser Arbeit die „schönste“ oder die „dickste“ Rübe aussuchen. Sie wurde separat gelegt. Abends wurde mit einem „Kromperen-Messer“ der „Deckel“ abgeschnitten und die Wurzeln so beschnitten, dass die Rübe stehen bleibt. Dann wurde das Innere ausgehöhlt. An der Seite erhielt die Rummel Augen, Nase und Mund. Die Abfälle des Rüben-Inneren wurden natürlich nicht weggeworfen, sondern die bekamen die Schweine, die sich immer direkt darüber her machten.

Wenn es dann dunkel war, wurde eine Stumpenkerze in das Innere der Rummel gestellt, die dann dort vor sich hin flackerte und durch das „Gesicht“ eine furcherregende Fratze erscheinen ließ, vor denen sich alle fürchten sollten.

Heute findet man auf dem Matzener Flur überhaupt keine Rüben mehr. Insofern ist es den Kindern heutzutage leider gar nicht mehr möglich, diesen alten Brauch wiederzubeleben – es sei denn, man kennt noch einen Bauern von außerhalb, der „Rummeln“ hat…

 
< zurück   weiter >
designed by www.madeyourweb.com