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F. Dorfkultur und -gebräuche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Sonntag, 11. Februar 2007

F      Dorfkultur und -gebräuche

In der Dorfanlage ist der alte Teil der Siedlung ein Gruppendorf mit geschlossenen Häuserzeilen, aber die neueren Gehöfte liegen aufgelockerter. Der Bauer will sich rühren können, ohne täglich am Nachbar anzustoßen. Das Bauernhaus ist entweder als „einfaches“ Haus oder als Doppelhaus angelegt.

Die Haustüre ist bei beiden in der Vorderfront angebracht. Der nach innen folgende Hausflur geht gerade durch bis zum Treppenaufgang. Beim einfachen Haus sind nur auf einer Seite Zimmer und zwar nach vorn die Wohnstube und dahinter die Küche, während das Doppelhaus auf beiden Seiten des Flures Wohnräume hat.

Auf der einen Seite liegen in der Regel die große Wohnstube und dahinter die Küche, auf der anderen Seite das gute Stübchen oder Stube und dahinter Vorratsraum, oft noch Webkammer genannt nach der einstigen Bestimmung dieses Raumes.

Alle Zugänge sind vom Flur aus. Die Häuser sind alle voll zweistöckig ausgebaut, was seinen Grund in der dadurch erstandenen großen Speicherfläche hat. Die Tagesräume sind im Erdgeschoß, die Schlafzimmer im ersten Stock. Es sind also alle Einfamilienhäuser, in denen nicht leicht eine zweite Familie mit eigener Haushaltung unterzubringen ist, wenn der vorhandene Raum auch ausreichen sollte.

D
ie Häuser sind unterkellert und haben meist schwere Bruchsteingewölbe und sind somit vorzügliche Luftschutzräume, da das Gewölbe auch ein einstürzendes Haus tragen wird. Der Speicherboden ist durch Estrich dauerhaft und ungezieferfrei hergerichtet.

Das Mauerwerk ist sehr massiv; die Mauerstärke beträgt im Keller 55 – 60 cm, in den oberen Geschossen mindestens 50 cm. Ganz Matzen ist aus dem Muschelkalk von „Weißen Stein“ erbaut. Die Beschaffung von Bausand ist besonders schwierig. Entweder wird er vom Wolsfelderberg, Irrel oder sogar von Binsfeld herangeschafft.

Bei Großbauten liefern die Kalkbrenner von Gindorf oder Gransdorf den erforderlichen Kalk. Alte Häuser haben auch Bruchsteinzwischenwände, neuere allerdings nur noch solche von Schwemmsteinen. Die Tragfähigkeit eines Bauernhauses musste so groß sein, dass auf dem Speicherboden unbedenklich einige hundert Zentner Getreide gelagert werden konnten.

A
m Dach wurde nicht gespart. Alle Wohnhäuser haben Schieferdach; desgleichen bei wohlhabenden Bauern auch die Ökonomiegebäude. Andere Ställe und Scheunen tragen Ziegeldächer.

Zuweilen ist die dem Verkehr zugewandte Seite mit Schiefer, die abgekehrte mit Ziegel gedeckt. Das Schieferdach gilt als vornehm und als Beweis für Wohlhabenheit.

Um die letzte Jahrhundertwende war eine üble Ausplünderung der Eifeler Bauernhäuser im Gange. Reiche Städter und sonstige Sammelwütige kamen immer und immer wieder und schwätzten den Leuten alte eichene Truhen, Schreine, Schränke, Uhren, Takenplatten, Zinnwaren und sogar handgewebte gemusterte Bettbezüge ab.

Das war Raub an der Bauernkultur.

Was soll z. B. ein altes Spinnrad in einer Stadtwohnung, deren Inhaber nie spinnen gesehen haben. Das erhaltene wenige Geld konnte niemand retten, und die erhaltenen modernen (?) Möbel hat heute der Wurm gefressen.

Man fragt sich immer wieder: Wie konnte eine solche Geschmacksverirrung und Pietätlosigkeit vorkommen? Da stand in der alten Bauernstube die Wanduhr, die schon 6 bis 8 Geschlechtern gedient hatte. Ihr gehämmertes Ziffernblatt, die schweren Aufziehgewichte und das kunstvoll geschnitzte Eichengehäuse waren allzeit ein Zimmerschmuck dazu.

Es ist lobenswert, dass doch noch einige dieser alten Uhren an ihrem richtigen Platze geblieben sind; so im Haus 2 Sonnen, Nr. 22 Boor und 46 Billen.

Hausmarken oder feststehende Sippenzeichen waren jedenfalls nicht in Gebrauch; denn Schreiber konnten nirgends Anhaltspunkte für deren Vorhandensein feststellen.

Besichtigt wurden alte Möbel, Webstühle, Kraut- und Pökelsteine, Grabsteine u. a.. Lediglich Jahreszahlen und Namen der Eheleute findet man auf verschiedenen Haustürstürzen.

Der Bauerngarten

„Der Bauerngarten ist eine Symphonie“ sagte Peter Kremer. Das trifft für die Hausgärten in Matzen auch zu. Da wechselt das Nützliche mit dem Angenehmen in fast zwangloser Reihenfolge ab.

Den Hauptteil nehmen die notwendigen Gemüse und Gewürze ein. Durchsetzt ist der Garten von Beerensträuchern und Steinobst. In einer Ecke stehen Heilkräuter: Wermut, Pfefferminze, Salbei, Liebstöckel.

An den Pfaden entlang stehen dann Blumen der verschiedensten Arten und Blütezeiten. Am Hausgiebel oder dem Zaun oder der Mauer steht der „Palmbaum“ (Buchsbaum).

Nicht fehlen darf der Holderbusch. Die jungen Triebe davon liefern den Buben Werkstoff für Knallbüchse und Wasserspritze; die Blüten und Beeren finden in der Heilkunde Verwendung. Den mächtigsten Holderbaum sieht man im Garten von Billen (Haus Nr. 46). Er hat 2 Meter Umfang – 1 Meter über der Erde gemessen.

Die Nachbarschaft. Durchweg sind 6 bis 8 Familien, die in unmittelbarer Nähe wohnen, des Hauses Nachbarn. Wohl nirgends tritt die Volksgemeinschaft in schönerer Form auf, wie bei guten Nachbarn. Die Nachbarschaftshilfe geht streng nach alten überlieferten Volksgesetzen.

Bei allen wichtigen Familienereignissen tritt sie selbsttätig ein. Bei Geburten kommt eine Nachbarin und betreut die Wöchnerin und Kind. Wenn nötig, melkt eine andere die Kühe, besorgt die Wäsche usw. .

Am Tauftage gibt´s dafür den großen Kindtaufkaffee.

Bei Hochzeiten und Beerdigungen helfen die Mädchen aus der Nachbarschaft in Küche und Bewirtung aus. Tische, Stühle, Teller, Tassen, Bestecke .... werden nach Bedarf an solchen Tagen zur Verfügung gestellt. Die Nachbarinnen helfen mit Milch, Butter, Eiern, Obst und dergleichen aus.

Kommt jemand zum Sterben, so wird rechtzeitig die Nachbarschaft verständigt. Der dann folgende letzte Besuch ist für jeden guten Nachbarn ein schwerer Gang, aber eine unumstößliche Pflicht.

Nach dem Tode bis zum Beerdigungstage versammelt sich die ganze Nachbarschaft alle Abende im Sterbehause zu gemeinsamem Gebete. Zwei Burschen tun das Amt des Todesgräbers. Vier oder sechs Nachbarn tragen den Toten zum Grabe.

Alle diese Hilfe bietet den Trauerleuten eine große Erleichterung und doch braucht niemand sie umsonst zu tun; denn der umgekehrte Fall tritt früher oder später ja doch ein.

Auch bei vielerlei anderen Anlässen findet man den Nachbarn bereit. Kein Bauer ließe sich in noch so später Nachtstunde zweimal in den Stall des Nachbarn rufen.

Sie beleihen sich gegenseitig mit Geräten, Maschinen, Gespann und Arbeitskräften. Ja, sogar Brot und Sauerteig wird bei der Nachbarin geliehen, wenn man einmal zu kurz kommt.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten, und „niemand kann in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“. Meist ist die erste Störung des guten Einvernehmens eine Kleinigkeit. Ein Kind, ein Huhn, die Dachtraufe ... können schon Anlaß zu Zank sein.

Bei der in der Eifel überall festzustellenden Starrköpfigkeit bauscht so ein kleiner Zank sich leicht auf zu dauerndem Streit, und immer neue Fälle treten hinzu, bis beide sich vor Gericht treffen. Dort wird zuweilen durch die Umsicht des Richters zwar ein Vergleich zustande kommen, aber es dauert oft noch lange, bis das alte Verhältnis wieder hergestellt ist.

Solche trübe Auswirkungen des benachbarten Wohnens sind in letzten Jahrzehnten immer seltener geworden.

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