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Denkmal-Topographie Matzen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Sonntag, 3. Dezember 2006

Denkmaltopographie Matzen

Das Gelände des Dorfes im Nordosten Bitburgs fällt von Südwesten nach Nordosten auf Keuper ab und steigt dann nach Norden auf Muschelkalk an. Nach Osten am bewaldeten Kyllhang sinkt das Niveau der Gemarkung über Buntsandstein ab, nach Süden reicht sie bis zur B 50. Mit der Stadt Bitburg ist Matzen über Abzweigungen von der B 257 und der nach Norden verlaufenden B 51 sowie dem dazwischenliegenden Messepfad verbunden. Über die B 257 hinweg führt ein Weg nach Mötsch.

Hier lag an einem flachen Südhang die Siedlung Ewen, die wahrscheinlich 962 erstmals als Besitz der Trierer Abtei St. Maximin, spätestens jedoch 1182 als „Ebeno“ genannt wird. Ihre Clemenskapelle ist 1230 als Filiale von St. Maximin in Bitburg belegt. Mercators Karte von 1567 zeigt eine Kirche in „Euen“, die 1640 zerstört ist. Beim Abbruch der letzten Reste 1817 soll ein Merkuraltar gefunden worden sein.

Das Dorf wird erstmals 697/698 in Dotationsurkunden Irminas an Bischof Willibrord genannt. Später gelangte es an die Trierer Abtei St. Maximin. Die Nicetiuskirche war bis 1806 Filiale von St. Martin in Rittersdorf, die 1227 mit „Matena“ und „Ewen“ dem Kloster St. Thomas lehenspflichtig wurde. Das Lehen des Freihofs verkaufte die Abtei St. Maximin 1484 an Simon von Bitburg.

1496 gelangte es durch Erbgang an Dietrich von Enschringen auf Burg Rittersdorf. Der Grundbesitz blieb dem Trierer Kloster, dessen Abt nach einem Weistum der Mitte des 16. Jh. Grundherr und Inhaber des Zehnt-, Wasser- und Weiderechts des unter luxemburgischer Landeshoheit stehenden Orts mit Asylhof bei der Kirche war. Ab 1816 gehörte Matzen zur Bürgermeisterei Rittersdorf, die ab 1860 in Personalunion mit Bitburg verbunden war. 1969 wurde es der Stadt Bitburg eingegliedert.

832 bestand „Machtonvillare“ aus einem Freihof und drei weiteren Höfen mit drei Hörigen und sieben Kindern. Das Luxemburger Feuerstättenverzeichnis für die Propstei Bitburg nennt 1473 neun Feuerstellen. 1495 hatten Matzen und Irsch zusammen sechs Haushalte. 1660 soll Matzen aus nur drei Feuerstätten bestanden haben.

Um die Mitte des 19. Jh. hatte es 35 Häuser mit 268 Einwohnern und eine Mühle mit sieben Bewohnern, 1895 waren es 50 Wohnhäuser mit 310 Einwohnern, der 1882 an der heutigen B 257 errichtete Sonnenhof hatte 14 Bewohner. 1939 lebten 332 Menschen in Matzen. 1953 waren es 353, von denen sechs den Sonnenhof und eine das Haus Waldsiedlung im Norden der Gemarkung bewohnten. Das Dorf bestand in diesem Jahr aus 44 Wohnhäusern und fiel so deutlich vor seinen Häuserbestand von 1895 zurück. Bis 1981 stieg die Bevölkerungszahl stetig auf 469 an, die der Häuser auf 111.

In der nördlichen der beiden Keimzellen des Dorfs (östliche Ober- und nördliche Donatusstraße hat sich die historische Bausubstanz am ungestörtesten erhalten. Die früheste Datierung, 1722, trägt der Türsturz des ehemaligen Flurküchenhauses Donatusstraße 12, Donatusstraße 8 ist mit 1742 datiert, im Kern aber älter. Der Sturz über dem Oberlicht von Donatusstraße 11 ist 1750 bezeichnet. Donatusstraße 16 wurde 1785 errichtet, das nun als Lager dienende Wohnhaus von Donatusstraße 6 1807. Donatusstraße 11 wurde 1810 um zwei Achsen erweitert.

Die topographische Karte von 1811 läßt auch entlang der jetzigen Oberstraße dichte Bebauung erkennen. Als zweites Zentrum des Dorfs zeigt sie südlich eines kleinen, nach Irsch fließenden Bachs von Wiesen umgeben den 1570 genannten Kirchhof mit Kirche und Vorgängerbauten des jetzigen Anwesens Im Sonnenpesch 2. Der Handriß zum Urkataster von 1824 gibt hier ein weiteres Gebäude an. Das kleine Gebäude im Norden gegenüber der heutigen Kirche, das schon in die Karte von 1811 eingetragen ist, trägt die Bezeichnung „Gemeinde“. Es handelt sich um den Vorgänger der Schule von 1860/61(?).

Das Wohnhaus Donatusstraße 6 wurde 1844 anstelle eines Vorgängers errichtet. 1846 wurde die neue, größere Filialkirche auf dem schon 1873 erweiterten Kirchhof erbaut. Nach 1850 entstanden Donatusstraße 9 und 13. Gleichzeitig erweiterte sich der nördliche Ortsteil entlang der Ober- und Lerchenstraße und nach Osten (Donatusstraße 37 datiert 1859). Andere Gebäude, etwa das ortsbildprägende Anwesen Lerchenstraße 17 von 1868, banden die beiden Ortsteile enger zusammen. Im Sonnenpesch 2 erhielt um 1870 ein neues Portal (heute im Giebel). Wenig später entstanden Donatusstraße 8, Auf der Held 13 und Lerchenstraße 23.

1882 wurde der Sonnenhof erbaut. Sein als Gasthaus und Wohnhaus des Gehöfts dienendes Hauptgebäude ist zur Straße hin repräsentativ in Kalksandsteinquadern aufgeführt.

Donatusstraße 1 ist 1889 datiert, der Winkelhof Donatusstraße 9, Oberstraße 1 und Auf der Held 24 dürften wenig jünger sein. Um 1900 folgten in der Donatusstraße das späthistorische Wohnhaus Nr. 20, Nr. 24, der Streckhof Nr. 32 (mit Backofen), Nr. 5 (datiert 1902) und Oberstraße 8. Die Bautätigkeit der 1920er Jahre erstreckte sich in Matzen vor allem auf den östlichen Teil des Dorfs. Hier entstanden, teilweise in Formengut der Reformarchitektur, Donatusstraße 10 (1926 mit Backofen), 15, 17, und 19, Auf der Held 4 (Scheunentorkeilstein 1926), und 5 (von Architekt Weber, Nattenheim). Am westlichen Ortsrand entstand um 1930 die stattliche Winkelhofanlage Lerchenstraße 13 nach Plänen des Architekten Zins, Bitburg.

Für die Jahre 1872 bis 1926 werden fünf Großbrände für Matzen überliefert, neun Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt oder zerstört. Die 1946 wiederaufgebaute Volksschule bekam 1956 einen Nachfolger, der seit der Auflösung 1969 als Dorfgemeinschaftshaus dient.

Von den vier denkmalwerten Wegekreuzen sind die drei älteren nur fragmentarisch erhalten. Das älteste, an der Gemarkungsgrenze zu Irsch, ist 1600 datiert. Das Kreuz östlich des Sonnenhofs entstand in der ersten Hälfte des 17. Jh. Der Kreuzschaft von 1653 im Süden der Gemarkung erhebt sich in der Nähe der kurz vor seiner Aufstellung untergegangenen Siedlung Ewen. Am Messeweg nach Bitburg wurde 1809 ein Schaftskreuz errichtet. Etwa gleichzeitig entstand ein kleines Relief in der Kirchhofsmauer. Wie das Kreuz östlich des Sonnenhofs und das am Messeweg, der heutigen Lerchenstraße, ist ein weiteres an der Spitze des Wäldchens im Westen der Gemarkung auf der topographischen Karte von 1811 eingetragen. Dieses Unglückskreuz ist heute verschwunden. Das Grabmal der Familie Sonnen, das an die Choleraepidemie des Jahres 1866 erinnerte, wurde 1945 zerstört. Das neugotische Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof entstand aus einem Friedhofskreuz von 1887.

Einzeldenkmäler und Denkmalzone Kirche

Katholische Filialkirche St. Donatus

Im Norden des Dorfes erhebt sich der kleine, von einem Dachreiter betonte weiße Putzbau von 1816 inmitten des erhöht gelegenen Kirchhofs, dessen auf drei Seiten erhaltene Mauer von Haubensteinen abgeschlossen wird. Seine Architektur mischt spätbarocke mit neugotischen Elementen. Eckpilaster rahmen die Eingangsseite. Die spitzbogigen Fenster haben profilierte Gewände. Der gewölbte Innenraum war bis 1978 neugotisch gefasst. Die Täfelchen des nazarenisch beeinflussten Kreuzwegs –der ursprünglich für die Kapelle in Irsch beschafft worden war- sind aus Kunststein. Gegenüber dem Portal steht vor der Friedhofsmauer das zum Kriegerdenkmal erweiterte neugotische ehemalige Friedhofskreuz von 1887 aus rotem Sandstein.

Donatusstraße 6, 11, 13, 14, 16

Die parallel zur abfallenden Straße ausgerichteten Bauernhäuser Nr. 11, 14 und 16  bilden mit dem kleinen, sich an Nr. 11 anlehnenden Bau Nr. 13 sowie dem vorspringenden, quer zur Straße stehenden Wohnhaus  von Nr. 6 eine fast ungestört erhaltene und daher als Denkmalzone ausgewiesene Baugruppe. Der mit Abstand besterhaltene Teil des Oberdorfs Matzen gipfelt optisch in der erhöht gelegenen Filialkirche St. Donatus auf dem Kirchhof.

Donatusstraße 6 ( Haus „Neimanns“ ) – jetzt „Franzen“

Das freistehende Wohnhaus des mit seinem jüngeren Wirtschaftsgebäuden einen langgestreckten Hof  umschließende Anwesen besitzt eine symmetrisch gegliederte Fassade mit Rechteckfenstern und Drempelluken. Das hofseitige Portal ist auf dem Sturz 1844 datiert, das (wohl hierher versetzte) Portal an der Rückseite zeigt ein Malteserkreuz und ist CHRISTIAN STIREN 1807 bezeichnet.

Donatusstraße 8 ( Haus „Billen“ ) – jetzt „Richertz“

An die quer zur Straße stehende Zeile der Gebäude Nr. 10 und 12 schließt ein langgestreckter Winkelhof an. Das Wohnhaus wurde 1742 von KUNRAT NEIMANS errichtet (Inschrift auf dem Türsturz) und besitzt ein Portal mit kräftig profiliertem Gewände, die Fenster wurden im 19. Jh. Vergrößert. Die beiden rechten, leicht aus der Flucht abknickenden Fensterachsen wurden später angefügt und eine Takenanlage mit flach segmentbogiger Nische zur Stube in die ehem. Giebelaußenseite eingearbeitet. Mit dem den Hof rückwärts abriegelnden Wirtschaftsbau vom letzten Viertel des 19. Jh. Wurde das Wohnhaus später durch den niedrigeren Stalltrakt verbunden. Der Garten dahinter wird von einer Trockenmauer mit Haubensteinen eingefasst.

Donatusstraße 11 - ( Haus „Welt“ )

Das parallel zu Hang und Straße stehende Quereinhaus, ein unter abgeschlepptem Dach angefügter Schuppen und ein kleiner Schweinestall mit Boden fassen die zur Straße hin offene Hoffläche ein. Der Sturz über dem glatten Oberlicht des barock profilierten und geohrten Portals trägt beiderseits ein IHS-Monogramm, den Namen des Bauherrn JOHANES KON und die Jahreszahl 1750. Die ursprüngliche Tür wurde um 1840 gegen eine neue einflügelige mit Rautenmuster ausgewechselt. Die beiden links angefügten Fensterachsen sind durch die Jahreszahl 1810 auf dem Sturz der nun bis auf Fenstergröße vermauerten Tür datiert. Hintern ihnen liegt im Erdgeschoß der ehemalige Backraum. Im Inneren des Wohnhauses hat sich ein Takenschrank aus derselben Zeit, aus der das Haus stammt, erhalten.

Donatusstraße 14

Siehe Donatusstraße 6, 11, 13, 14, 16

Donatusstraße 16

Das aus einer traufständigen Zeile vorspringende Wohnhaus mit drei Achsen symmetrisch angeordneter, segmentbogig schließender Fenster und Drempelluken wurde 1785 errichtet. Der profilierte und lebhaft geschweifte Sturz seines Portals trägt eine Kartusche mit IHS-Monogramm und den Namen des Bauherrn GERATUS (=Gerhard) HEINS. Das anspruchsvolle Haus hat leider vor einigen Jahren unter anderem ein neues Dach bekommen.

Lerchenstraße, kurz vor der Einmündung in den Neuen Messenweg

Das Wegekreuz mit gestuftem und sich nach oben verjüngendem Schaft ist auf der Abschlussplatte 1809 datiert. Der Schaft trägt die Inschrift „1809 DISK HGLA MZEG“, wohl die Abkürzung des gängigen Textes „Dies Kreuz hat (Namen) lassen machen zur Ehre Gottes“. Das Abschlusskreuz mit Kruzifix ist getrennt gearbeitet.

Lerchenstraße 17

Der Sturz der mit feinem Kantenprofil versehenen Türrahmung überliefert MATTHIAS SONNEN als Erbauer des Hauses und das Jahr 1868 als das seiner Errichtung. Türblatt und Oberlicht sind in phantasievoller Weise mit neugotischem Schnitzwerk verziert.

Gemarkung

Wegekreuze

An der Einmündung des auf die alte, Bitburg mit Erdorf verbindende Straße führenden Wegs, der heute die Gemarkungsgrenze zu Irsch bildet, steht der Schaft eines 1600 datierten Wegekreuzes in einem großen Einlassstein. Den Übergang der breit abgefasten Kanten zu einem vereckigem Querschnitt vermitteln am Ansatz volutenartig gerollte Blätter. Das Aufsatzkreuz ist jünger

Östlich des Sonnenhofs steht in einem trapezförmigen Einlassstein ein Nischenkreuz aus grauem Sandstein aus der ersten Hälfte des 17. Jh. Die ursprünglich vergitterte Nische endet giebelförmig, der Stifter war in einer nun verwitterten Inschrift auf dem Schaft genannt. Das Abschlusskruzifix ist alt, der untere Schaft modern ergänzt.

Das vor einigen Jahren in den Bereich südlich des Sonnenhofs versetzte Wegekreuz von 1653 nennt als Stifter das Ehepaar CATHRINA NEUMENS. Eine flache Rundbogennische am oberen Ende des Schafts trägt den Namen des hl. Nikolaus. Darüber erhebt sich das getrennt gearbeitete, vermutlich jüngere Aufsatzkreuz mit dem Kruzifix

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Quelle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland
Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz
Kreis Bitburg-Prüm 9.2
Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel
Von Bernd Altmann und Hans Caspary
Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1997
ISBN 3-88462-132-7, Seite 114 ff.

Mit freundlicher Genehmigung der Denkmalschutzbehörde

 

 
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