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A. Natürliche Gegebenheiten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Sonntag, 11. Februar 2007

A.    Natürliche Gegebenheiten

1.      Geographische Lage

Als Eifel bezeichnet man allgemein das linksrheinische nordmoselländische Schiefergebirge. Ihren Namen erhielt sie durch Ausdehnung der Bezeichnung des ursprünglich zwischen Daun und Schleiden gelegenen Eifelgaues auf die benachbarten Gebiete.

Nach Süden zu verliert sich der gebirgige Charakter der Eifel und nimmt mehr das Gepräge einer Hochebene an, die durch zahlreiche tiefeingeschnittene Flusstäler der zur Mosel und Sauer hinstrebenden Eifelflüsschen in mehrere langgestreckte wellige Einzelplateaus aufgeteilt wird. Diesen Teil bezeichnet man als Westeifel; sie ist das Gebiet des Kreises Bitburg und des nördlichen Teiles des Kreises Trier-Land. Die Hochfläche zwischen Nims und Kyll wird etwa zwei Kilometer nördlich von Bitburg vom 50. Breitengrade quer überschritten und berührt den nördlichen Rand des Dorfes Matzen genau 1 km ehe er das 100 Meter tiefe Kylltal überspringen muss.

Die geographische Länge ist bei rund 4 Grad 30 Minuten östlich von Greenwich.

Politisch gehört die Landgemeinde Matzen seit der Bildung der Rheinprovinz zum Amte Bitburg-Land im Kreise Bitburg, Regierungsbezirk Trier.

Sein Bann erstreckt sich vom Albach in einer Länge von 4,5 Kilometer nach Norden bis zum Gensberg östlich von Odrang, und vom rechten Kyllufer bis einige hundert Meter vor Bitburg und der Reichsstraße Trier-Köln bis zum Gehöfte Pützhöhe. Der Bann Irsch mit einer Größe von 255 Hektar ist dabei mit eingeschlossen. Die Banngröße von Matzen ist 748 Hektar. Nennenswerte Wasserläufe sind außer der grenzbildenden Kyll mit dem Albach nicht vorhanden.

Die Höhenlage schwankt zwischen 230 Meter und 400 Meter über NN. Der Steilhang zur Kyll, mit dem Gemeindewald (73 Hektar) bestanden, nimmt von dem Höhenunterschied von rund 170 Meter gleich 80-100 m für sich in Anspruch, so dass die Steigungen innerhalb des Ackerbannes auf der Hochfläche verkehrs- und beackerungsmäßig keine nennenswerten Schwierigkeiten darstellen. Der Kern des Dorfes ist in einer flachen Mulde und einem wenig geneigten Südabhang gelegen. Die niedrigste Höhe des Dorfes ist 320 Meter über NN.

2.      Geologischer Aufbau

Die devonkarbonischen Schiefergesteine liegen im Gebiet von Matzen nicht mehr zu Tage, sonder sind überall von Triasgesteinen: Buntsandstein im Kylltale und sein im Kylltale, Keuper und Muschelkalk auf der Höhe. Der verwitternde Einfluss des Klimas ist durchweg soweit vorgeschritten, dass das Kalkgestein nirgends offen zu Tage tritt, sondern eine genügende Ackerkrume aufgelagert hat, wodurch eine tiefgründige Beackerung ermöglicht wird. Nur auf einzelnen Rücken der Bodenwellen schürft der Pflug über den festen Kalkstein.

In einem großen Steinbruch auf „Weißen Stein“ wird der Muschelkalkstein abgebaut und dient als Mauerstein und Straßenschotter. Ganz Matzen ist aus diesem Steinbruch aufgebaut und die 13 Kilometer befestigten Gemeindestraßen haben ebenfalls ihr Baumaterial fast ausschließlich von Weißen Stein. Irsch hat ähnliche Steinbrüche an der Reichsstraße nach Erdorf an der Teufelsschlucht.

Die Ackerkrume hat in Folge ihrer Herkunft also schon eine große Bereicherung an Kalk, und wie verschiedene Untersuchungen von Bodenproben ergeben haben, auch einen gewissen Kalireichtum. Das soll aber nicht dazu verleiten, diese beiden Pflanzennährstoffe, besonders Kali, ganz zu vernachlässigen. Durch jahrelange Düngung mit Säure enthaltenden Stickstoffen wird der Boden sauer, besonders wenn in Wiesen noch stauende Wasser die Versauerung begünstigen. Da ist nach Ablauf mehrerer Jahre eine Kalkdüngung angebracht. Auch ist die Lösung des Kalkes zum Teil nur eine mechanische und keine chemische, so dass der vorhandene Kalk den Boden wohl lockert, aber die Pflanze nicht nähren kann.

Der von der Dorflage nach Norden liegende Hauptteil des Bannes hat kalkhaltige Lehmböden auf Kalkunterlage, während der südliche Teil verwitterter Keuper mit einer starken Beigabe von Ton hat. Beide Böden haben ihre Vorzüge und Nachteile. Schwer sind beide, aber der Tonboden doch besonders. Dieser Tonboden ist ein Stück des bekannten Bitburger Weißlandes, das sich quer durch die Mitte des Kreises erstreckt in einer Breite von einigen Kilometern. Beginnend zwischen Badem und Metterich östlich der Kyll, zeigt er sich zwischen Matzen und Mötsch und ist zu verfolgen über Bitburg-Masholder, Stedem, Ingendorf, Bettingen, Schankweiler, Stockem, Stockigt, Kruchten, Biesdorf, Wallendorf und geht weiter über die Sauer und Our und zeigt sich wieder bei Reisdorf, Bigelbach.

Sandboden ist in der Feldgemarkung von Matzen nirgends. Die in einer Mulde gelegene Dorfwiese hat diluviale Ablagerungen und in einem kleinen Wiesentale in Betzen hat der Tonboden Torfbeimischungen.  

3.      Klimatische Verhältnisse

Auf der Höhe des 50. Breitengrades und an der Westseite des eurasischen Festlandblockes gelegen wird das Wetter um Bitburg maßgebend durch die Luftströmungen des nordatlantischen Raumes bedingt. Dementsprechend sind die westlichen beziehungsweise südwestlichen Winde vorherrschend, die besonders in den kühleren Jahreszeiten durch die in nördlicher Richtung vorbeiziehenden Tiefdruckgebiete ausgelöst werden.

In den Frühjahrs- und Sommermonaten hingegen treten in Folge großer atlantischer Hochdruckgebiete Luftströmungen aus nordöstlicher Richtung auf, die bis Mitte Mai fast jedes Jahr Kälteeinbrüche bringen. Diese Winde sind sehr trocken, dörren deshalb die junge Vegetation aus, machen den schweren Boden brüchig und rissig und haben oft das Ausheben der Wintersaat zur Folge. Frühgemüse und Kartoffeln leiden häufig Schaden. Die Obstblüte wird gestört oder ganz verdorben.

Ist dieser Ostwind in den Höhenlagen besonders zerstörend wirkend, so fürchtet der Gartenbesitzer und Obstbauer die kalten Bodennebel im Mai für seine Kulturen in den Niederungen noch mehr. Solche Nebel brachten schon Kälterückschläge bis 6 Grad minus und sind schon bis in den Juni aufgetreten, wobei die Roggenblüte gelitten hat.

Die mittlere Jahrestemperatur liegt im 10-jährigen Durchschnitt bei 8° plus und hält sich im Durchschnitt der Wintermonate um 0°. Von sehr großer Bedeutung für den Bauer ist die Menge, der Charakter und die Zeit der Niederschläge. Da für Matzen keine besonderen Messungen und Zählungen vorgenommen wurden, führe ich nachfolgend die Ergebnisse der Bitburger Feststellungen an, die ja auch wegen des kleinen räumlichen Unterschiedes zutreffend sind:

Januar..................... 55,9 mm
Februar................... 45,1 mm
März........................ 52,6 mm
April........................ 53,3 mm
Mai.......................... 47,9 mm
Juni......................... 71,9 mm
Juli.......................... 76,1 mm
August.................... 77,7 mm
September............. 57,5 mm
Oktober.................. 93,3 mm
November.............. 39,2 mm
Dezember.............. 65,1 mm
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Insgesamt:........... 729,6 mm
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Das ist eine ausreichende und auch ziemlich gut verteilte Niederschlagsmenge. Nicht gerne gesehen sind die hohen Niederschlagsmengen von Juni bis August, besonders wenn Sie in Form von Hagel oder schweren Gewitterregen niedergehen, wobei zumindest Lagerfrucht die unangenehme Folge ist.

Hagelschäden sind allerdings in Matzen sehr selten vorgekommen während meiner fast 40-jährigen Berichtszeit. Hat ein sehr eifriger Werber schon hier oder dort eine Versicherung gegen Hagelschaden abschließen können, so war das immer nur für die im Vertrage vereinbarte Zeit, und möglichst bald kündigte der Versicherte den Vertrag.

Meines Wissens war in den letzten Jahren kein Bauer in der Hagelversicherung. Während der vorhin angegebenen Zeit sind zwei Mal begrenzte Striche des Bannes – auf der Heide und auf dem Forst – durch Hagel in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Versicherung schätzte günstig für die wenigen Versicherer ab (wie gesagt wurde zur Werbung), aber genügt hat es nichts. Ob es weiterhin immer so gut abgeht ?

Das liegt zum Teil in der selbstherrischen Art des Matzener Bauern begründet, der von dem Standpunkt ausgeht: Trifft es mich, so bin ich stark genug, es zu tragen, es sollen nicht andere für mich zahlen, wie ich auch nicht für andere zahlen möchte.

Ein Beweis von Volks- oder Standesverbundenheit ist das ja nicht gerade. Oder mag es sein, dass der Matzener Bauer sich so sicher im Schutze seines Ortspatrons, des heiligen Donatus, glaubt, dem er wirklich große Verehrung zollt und sein Fest in der größten Arbeitszeit mitten in der Woche sehr feierlich begeht.

 
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