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Alte Matzener Kinderspiele PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Samstag, 27. Januar 2007
Als es noch kein Fernsehen, keine Computer und kein Internet gab, haben sich die Matzener Kinder mit alten überlieferten Spielen unterhalten. Einige davon sind gänzlich in  Vergessenheit geraten, bei anderen können sich viele nur noch ganz entfernt erinnern. Deswegen wollen wir die alten Kinderspiele hier auflisten und beschreiben. Wenn Sie noch ein altes Matzener Spiel kennen, lassen Sie uns das wissen...

1.   Schlapp-hat-den-Hot-verluhr!

Beim "Schlapp"-Spiel muss man sich sehr konzentrieren, denn es geht um ein Sprechspiel, das in immer schnellerem Tempo gespielt werden soll.

Ein Spieler ist der "Schlapp", die anderen Spieler werden durchnummeriert, so dass jeder eine Zahl hat. Dann fängt "Schlapp" das Spiel an mit den Worten: "Schlapp hatten Hot verluhr - zwai hatten !". Die angesprochene Nr. 2 muss sehr schnell reagieren und z. B. sagen: "Zwai hattennet - veah hatten !". Damit ist Nr. 4 am Zuge und muss ebenfalls schnell antworten: "Veah hattenet - Eeent hatten !".

So geht das Spiel reihum hin und her bis jemand sich verspricht oder zu langsam, falsch oder gar nicht reagiert. Dieser Spieler muss dann ausscheiden bis sich zum Schluß nur noch zwei Spieler streiten, wer denn jetzt den Hut hat. Wer diesen "Zweikampf" gewinnt ist Sieger und darf als nächster "Schlapp" ein neues Spiel anfangen.

2.    "Souh"  

Beim Sau-Spiel geht es spielerisch um das Hüten von Schweinen. Das Spiel gleicht ein wenig dem Hockey. Jeder Spieler hat einen Stein, seine "Souh" und einen Stock als Schläger, den man sich aus einer Hecke herausgeschnitten hat. Mit dem Stock werden die Steine dann getrieben.  

3.    "Zick"

Das "Zick"- oder Ziegenspiel stammt aus der Zeit, in der die Kinder nachmittags entweder die eigenen oder die Kühe anderer Bauern auf den Matzener Wiesen hüten mussten. Das war nach der Schule die Beschäftigung der meisten Kinder. Während des Jahres über mussten die Kühe auf die jeweils eigenen Wiesen und Weiden getrieben werden, wo sie grasten. Feste Pferche kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Für die Kinder eigentlich eine langweilige Angelegenheit, weil sie ja mit dem Vieh und vielleicht einem Hütehund dann allein auf dem Flur waren.

Das änderte sich am 29. September im Jahr, dann war Michelstag und damit "Wiesen preis". Nach einem uralten Brauch war es in Matzen üblich, dass ab diesem Tag alle Kuhhirten ihr Vieh überall auf dem Matzener Flur weiden lassen durften, da ja die Felder inzwischen  abgeernet waren und insofern vom Vieh kein Schaden verursacht werden konnte. Diese Zeit des "Wiesen preis" dauerte vom 29. September bis zum 15. April.

Und in dieser Zeit war es den Kindern auch möglich, gemeinsam das Vieh weiden zu lassen und während dieser Zeit miteinander zu spielen. Überlieferungen zufolge sind die Kinder damals besonders gerne in die Dorfwiese zwischen Matzen und Irsch gegangen, um das Vieh dort zu weiden. Zwar waren die Kühe von dem Gras dieser Sauerwiese nicht begeistert, doch den Kindern war das egal, Hauptsache man konnte miteinander spielen.

Während sich also 10, 20 oder 30 fremde Kühe gegenseitig stießen, und die verschiedenen Hütehunde sich zerbissen, unterhielten sich die Kinder mit ihren Spielen. Eines davon war das sogenannte "Zick"-Spiel, bei dem es um das Hüten einer Ziege ging.

In die Mitte eines Kreises von ca. 5-6 m Durchmesser wurde ein Aststock mit einer Gabel gesteckt. In diese Astgabel wurde ein krummes Stückchen Holz eingehakt, das war die "Zick". Ein Mitspieler musste die "Zick" hüten und immer wieder an ihren Ort zurückbringen. Die übrigen Mitspieler standen im Kreis an einem "Käulchen", einer Marke und warfen mit Holzknüppel auf den Ast mit der Zick. Wurde der Ast getroffen, flog die Zick im hohen Bogen weg. Aufgabe des Zick-Hüters war es nun, die Zick wieder an Ort zurückzubringen. Während dieser Zeit wechselten die rundherum stehenden Mitspieler ihre Position von einem Käulchen zum anderen. Hierbei mussten sie aufpassen: Wer nicht schnell genug war, fand kein freies Käulchen mehr und musste dann als nächster die Zick hüten.

4.    Woahn-Schmier

Bei diesem Spiel benötigte man einen alten holzrädrigen Ackerwagen, die früher in jedem Betrieb vorhanden waren. Die hölzernen und eisenbereiften Räder waren an den Naben mit dickem schwarzem Stauferfett, der sogenannten "Woahn-Schmier" geschmiert, das meistens aus der Nabe herausquoll. Dieses Fett wurde auf einen langen Stock geschmiert, mit dem ein Spieler um den Wagen herum und unter dem Wagen durch lief. Die übrigen Mitspieler befanden sich auf dem Wagen und versuchten, dem fettbeschmierten Stock auszuweichen. Wurde ein Spieler mit dem Fett-Stock berührt, musste er runter vom Wagen und nun selbst versuchen, einen der anderen Spieler mit dem Stock zu berühren.

 
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