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1958 - Flugzeugabsturz in Matzen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Josef Fuchs   
Donnerstag, 1. März 2007

Flugzeugabsturz über Matzen 

Am 16. April 1958, einem gewöhnlichen Mittwoch, ist Matzen nur knapp einer Katastrophe entgangen. Gegen 10:35 Uhr war auf der Air Base Bitburg ein Flugzeug des Typs F-100 Super Sabre gestartet. An Board war als einziger der Pilot, der damals 26-jährige Second Lieutenant Robert Yofhizumi, ein in Honolulu geborener US-Soldat japanischer Abstammung.

Unmittelbar nach Start in Bitburg hatte der Pilot technische Probleme an der Maschine festgestellt und bereits über Mettericher Bann die Zusatz-Treibstofftanks abgeworfen. Er wollte eine Runde fliegen, um sofort wieder in Bitburg zu landen. Aufgrund des technischen Defektes war dies wohl nicht mehr möglich.

Der Düsenjäger flog aus Richtung "Schieder", also von Nord-Ost kommend, direkt auf die Ortslage Matzen zu.

Über dem Schieder sprengte der Pilot die Kanzel vom Cockpit ab, um seinen Not-Ausstieg vorzubereiten. In den letzten Sekunden, ungefähr in einer Höhe von wohl nur 80 Metern, zog er den Schleudersitz und katapultierte sich aus dem Flugzeug heraus.

Das Flugzeug kam tiefer und tiefer und berührte beim Haus Weimann in der oberen Donatusstraße erstmals den Boden. Der Flieger rutschte weiter durch eine Wiese, wo eine ganze Reihe von Bäumen umgemäht wurden. Durch einen dicken Baum, den das Flugzeug schräg seitlich traf, soll seine Richtung wohl leicht abgelenkt worden sein. Das Flugzeug wäre ansonsten in Richtung Dorfstraße auf die Gebäude Schmitz / Epper zugerast.

Durch den Anprall an dem dicken Baum änderte das Flugzeug seine Richtung und streifte das Bienenhaus des Gebäudes von Weimann, welches ins Brand geriet.

Das Flugzeug flog oder rutschte weiter durch den Garten von Neimanns und durchbohrte die dortige schwere Bruchsteinmauer, die den Garten umschloß. Danach rutschte das Flugzeug weiter auf das Ökonomiegebäude des Hofes "Billen" ( Richertz ) zu, wo es sich in die nördliche Mauer bohrte und dort liegen blieb.

Die ganze Wiese hinter dem Haus der Geschwister Weimann soll in Flammen gestanden haben - vermutlich durch das auslaufende Kerosin, das in Brand geraten war.

Gottseidank konnte der Pilot sich noch gerade rechtzeitig mit dem Schleudersitz retten. Es hieß, er sei in nur 80 Metern Höhe "ausgestiegen". Mit seinem Fallschirm wurde er abgetrieben und landete im Bereich "Rübengarten" hinter der Dorfwiese. Dort blieb er mit seinem Fallschirm an einem Obstbaum hängen und wurde von Matzener Bürgern dort gerettet. Mit einem später eintreffenden Militärhubschrauber, der in der Dorfwiese landete, wurde er zur Air Base nach Bitburg gebracht. Während der Landung wartete der Pilot auf der Bank vor dem Haus "Debohse" (Diedrich) in der Donatusstraße auf seine Abholung. Er hatte ein Riesenglück gehabt und war wohl nicht allzu schwer verletzt, denn in Matzen wurde berichtet, dass der Pilot schon drei Tage später wieder geflogen sei.

Wären nicht die Bäume gewesen, die den Flieger in Richtung Hof Billen leiteten, hätte das Flugzeug genausogut in der Donatusstraße in die Häuser Schmitz/Epper/Fuchs fliegen und das halbe Dorf in Brand setzen können.

Durch die Explosions-Geräusche wurden auch die Schüler der Matzener Volksschule, die sich nur ca. 200 Meter von der Absturzstelle entfernt befindet, aufgeschreckt. Der Lehrer gab die Anweisung, dass niemand die Schule verlassen dürfe. Aber die Kinder versuchten, durch die Fenster der Schule einen Blick auf das Unglücksgeschehen zu erhaschen. Aber von der Schule aus war wohl außer Rauch nichts zu sehen. Allerdings wird erzählt, dass die Bordmunition überall herumgelegen habe und man kleinere "Explosionen" gehört habe.

Nach kurzer Zeit erschienen amerikanische Sicherheitskräfte. Die Militärpolizei sperrte die Absturzstelle ab und ließ keine Einheimischen näher an das Geschehen heran. Die Matzener Feuerwehr legte Schläuche von der Donatusstraße her durch den Hof zwischen "Stieren" und "Baachen"  und bekämpfte das Feuer, das hinter dem Haus Billen beim Anprall an die Mauer entstanden war. Flugplatzfeuerwehr löschte schließlich die letzten Brandnester. Die deutsche Gendarmerie und der Landrat Konrad Schubach waren ebenfalls vor Ort. Später wurde das Flugzeug - bzw. das, was davon übrig geblieben war, mit einem großen Tieflader abgeholt und auf den Bitburger Flugplatz gebracht. 

Die Matzener Kinder wurden nach der "Entwarnung" vom Dorfschullehrer nach Hause entlassen mit der Auflage, nichts aufzuheben, anzufassen oder sonstige Kapriolen zu drehen. Die Kinder wurden dazu "vergattert", auf direktem Wege nach Hause zu gehen und rechts und links alles liegen zu lassen, was sie vielleich an interessantem "Material" finden könnten.

Dieser Hinweis war auch sehr berechtigt, denn das Flugzeug war wohl ziemlich gut bewaffnet gewesen. Jedenfalls lag der Hof von "Fuhs" (Dorfstraße 46 - jetzt Donatusstraße 5) voll mit Munition vom abgestürzten Flugzeug. Offenbar war die Munitionierung weit über den Absturzpunkt des Flugzeug hinweggeflogen.

Nach der Bergung des Flugzeuges seien in der Folge Sachverständige gekommen, um den Schaden zu begutachten. Seinerzeit war das "Amt für Verteidigungslasten", eine deutsche Behörde, zuständig für die Entschädigung derartiger Schäden. Insgesamt war, so wird berichtet, trotz des schweren Unglücks niemand verletzt worden und ein Sachschaden von nur 5.000 DM entstanden. Dabei ist der Wert des total zerstörten Flugzeuges natürlich nicht einberechnet.

Eine kleine Anekdote am Rande wird über die Entschädigung für die angebrannten Bienenstöcke bei Weimann erzählt:

Der Kreisimkermeister Lichter sei insgesamt drei Mal zur Begutachtung der Bienenstöcke erschienen. Aber trotz der vorgerückten Zeit -es war inzwischen wohl schon Mai/Juni geworden und die Bienen hätten normalerweise ausfliegen müssen- war es in den Stöcken ruhig. Keine Biene ließ sich sehen.

Als schließlich die Bienenstöcke als "Totalschaden" anerkannt und die Entschädigungssumme gezahlt worden war, seien die Bienen einige Tage später aus ihren Stöcken gekommen und wieder geflogen. Sie hatten offenbar in weiser Voraussicht zugewartet, bis die Entschädigung ausgezahlt war...

In der Presse vom nächsten Tag (damals waren Trierischer Volksfreund und die Trierische Landeszeitung die gängigen Tageszeitungen) standen folgende Artikel, an die wir über Recherchen beim Stadtarchiv Trier gelangt sind: (Klicken Sie auf den Artikel für eine vergrößerte Darstellung)

aus dem Trierischen Volksfreund
80. Jahrgang, Donnerstag, 17. April 1958
  

 

aus der Trierischen Landeszeitung,
34. Jahrgang, Donnerstag, 17. April 1958

 

 
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