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Aus der Chronik des Irscher Hofes PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 11. Januar 2007
Aus der Chronik des Irscher Hofes
(von Gerda Dreiser) 

Über eine fast lückenlose Chronik verfügt noch heute in Originaldokumenten der Irscher Hof.

1928 gabe der damalige Besitzer Johann Baptist Lichter die Hauptdokumente als Leihgabe dem neugegründeten Bitburger Heimatmuseum. 1939 – zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939/45 – forderte der Obengenannte dieselben zurück.

 Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass sie lückenlos erhalten blieben und nicht wie die meisten Gegenstände im Heimatmuseum dem Bombenkrieg zum Opfer fielen.

Schon im 9. Jahrhundert unter Karl dem Großen finden die Irscher Höfe, die aus zwei Grundgütern bestanden, ihre Erwähnung.

Im 12. Jahrhundert geht aus der Chronik hervor, dass sie zur Herrschaft Dudeldorf und Seinsfeld gehörten. Diese Tatsache wird belegt durch eine Urkunde aus dem Jahre 1503, die besagt:

5.5.1503: Friedrich von Layen, Herr zu Dudeldorf, und Gattin Engel geben die Halbscheid des Hofes zu Eichs (Anm.: früherer Name von Irsch) in der Propstei Bitburg an Mathias, den Sohn von Peter von Eichs, seiner Gattin Else, gegen bestimmte Abgaben in Erbpacht.“ ...

Alte Urkunden und Kalendarien legen noch heute Zeugnis davon ab, wie intensiv und fortschrittlich die Grundherren vom Irscher Hof schon damals eine gewisse Buchführung hatten. Man kann aus den Registern lesen, wieviel das Korn kostete, was ein Knecht, eine Magd als Jahreslohn erhielten, was Schuster und Schneider verdienten usw.

1751 starben die Bewohner von Irscher Hof bis auf einen Mann an der Cholera aus. Er heiratete später und bewirtschaftete in den darauffolgenden Jahren wieder den Hof.

Bis auf den heutigen Tag wird auf dem Irscher Hof der Sebastianstag (20. Januar) der sogenannte „Döcken Daag“, zur Erinnerung an die Pest begangen, d. h., von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird nur vegetarische Speise zu sich genommen.

Eine Notiz zu Anfang des Registers aus dem Jahre 1815 ist bemerkenswert. Sie lautet:

IM NAMEN DER ALLERHEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT!
Gott Vater Gott Sohne Gott hl. Geist
 

  Dieses Register geheert dem Joan Lichter von Iersch
 Der es find, der gibt es ihm wider, sonzt kommt der geswenzte Deufel und stozt ihn danider.

Im Jahre 1815

 Der Herr gebe uns Frieden und das efige Leben. Amen!“

Auch ein Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten ging aus den Familien Lichter-Billen hervor:

  1. Lichter Johann, geb. 23.5.1783 in Scharfbillig, geweiht am 16.6.1810 in Trier, Vikar in Kyllburg, Pfarrer in Porz, gestorben am 27.5.1823 in Porz

    Lichter Nikolaus, geb.e 20.11.1809 in Hof Irsch, geweiht am 19.3.1836 in Trier, Kaplan in Waxweiler, Pfarrer in Gemünden, Kirchberg, Sobernheim, ab 15.9.1860 Pfarrer in Wittlich, als Dechant gestorben in Wittlich am 20.4.1880

  2. Billen Thomas (neuntes von zwölf Kindern des Nikolaus Billen, geb. 3.5.1690 in Stahl, und Ehefrau Elisabeth Schwinnen von Irscher Hof, geb. 22.12.1730 in Hof Irsch, geweiht am 11.6.1756 in Trier, Pfarrer in Arenrath und Binsfeld, gestorben am 222.12.1811 in Arenrath

    Billen, Theodor (ein älterer Bruder von Billen Thomas heiratete 1741 Anna Göbel aus Messerich, die acht Kinder hatte. Zwei Söhne heirateten zwei Frauen vom Badenborner Hof. Der vierte Sohn trug den Namen

    Billen Thomas, geb.e 28.3.1758 auf Hof Irsch, zum Priester geweiht am 14.6.1783 in Trier, Vikar in Herforst und Speicher mit Wohnsitz in Arenrath.
    Seit dem 5.5.1791 bis 1805 war er Pfarrer von Blankenheim. Vom 15.10.1805 bis 26.2.1827 war er Regens des Priesterseminars in Trier, Domkapitular und Domdechant, gestorben 21.3.1840 in Trier.

    Von den Trägern des Namens Billen, die vom Irscher Hof kamen und auf den Badenborner Hof heirateten, sind wieder vier Priester hervorgegangen – drei mit dem Namen Billen und einer, der jetzt noch lebt mit dem Namen Begon Jakob.

Ein besonderes Kleinod des Irscher Hofes ist die Kapelle, die sich im Mittelpunkt der Gehöfte befindet. Sie wurde 1827 erbaut und weist einen Barockaltar auf, der aus der Kapelle der alten „Burg“, dem Barockschloß in Bitburg und früherem Waisenhaus in der Kölner Straße, vor der Säkularisierung unter Napoleon I. stammt. Das Altarbild, das sich heute im Hause Lichter befindet, stammt von dem Luxemburger Künstler Maisonet und ist mit der Jahreszahl 1760 signiert (Kapellenrenovierung 1947/48).

Der Irscher Hof hat auch einen besonderen Privatfriedhof, der 1950 auf einer angrenzenden Anhöhe für die drei Irscher Familien angelegt worden ist. Die bisher in Bitburg auf dem Städtischen Friedhof Erdorfer Straße beerdigten Toten vom Irscher Hof wurden exhumiert und an der Stätte ihrer Geburt beigesetzt. Die alten Grabdenkmäler wurden ebenfalls auf diesem Friedhof wieder aufgestellt. Er ist von einer Mauer umgeben und wird von einem Kreuz überragt, das aus den Trümmern eines Hofgebäudes, das am 19. Januar 1945 durch Bomben zerstört wurde, errichtet wurde. In seinem Schatten ruhen noch außerdem drei Bombenopfer des Fliegerangriffes vom 19. Januar 1949, die in den letzten Monaten des Weltkrieges 1939/45 auf dem Irscher Hof Zuflucht gesucht hatten und dort von ihrem Schicksal ereilt wurden.

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Quelle: „Lebendige Steine“ - mehr als 1000 Jahre Bitburg-Liebfrauen
herausgegeben von der Kath. Kirchengemeinde Liebfrauen, 1981, S. 102 ff.
mit freundlicher Genehmigung des Pfarramtes Liebfrauen Bitburg
 
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