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Donnerstag, 11. Januar 2007

Den Hiemelsfierschder
( von Gerda Dreiser ) 

In der Filialkirche zu Matzen war es – entgegen anderen Kirchspielen – Sitte, dass in der Bankbesetzung keine besondere Ordnung nach Geschlechtern eingehalten wurde.
 
Wohl hockte vorne in den Kinderkniebänken die Jugend – aber die übrigen Kirchenbesucher reihten sich in die Bänke ein, wie sie beim „Zu Hof-Leiden“ das Kircheninnere betraten: Männlein und Weiblein - alte und junge -, alles durcheinander.
 
Viele Pfarrherren aus Bitburg Liebfrauen, zu deren Pfarrei Matzen gehörte, und die dort in der Kapelle öfters wochentags die heilige Messe feierten, hatten schon oft versucht, hier die erforderliche Ordnung, wie sie sonst überall selbstverständlich war, einzuführen – aber vergebens. Sie predigten tauben Ohren.
 
Auch dem verstorbenen Dechanten Matthias Benz war es trotz allerhand Zureden nicht gelungen. Es machte ihm sogar Kopfzerbrechen. Fast zwölf Jahre lang dauerte unter seinem Regime bereits dieser Zustand.
 
Im Jahre 1922 schien es eine Änderung zu geben, und zwar als ein neuer Kaplan mit Namen Nikolaus Groß seien erste Kaplansstelle in Bitburg antrat. Er war von großer Gestalt, hatte schwarze Haare und trug eine Brille, die seinem Gesicht einen vorteilhaften Ausdruck verlieh. Sein Auftreten war forsch – und damals brauchten die Kapläne auch nicht mehr morgens in der Frühe nach Matzen über die staubige Landstraße zu tippeln – nein – sie konnten ein Fahrrad benutzen. Diese Tatsache allein verlieh ihnen ein gewisses Prestige.
 
Dieser Mann war also wie geschaffen für den Plan zu Beseitigung des Übelstandes in der Matzener Filialkirche. Er erhielt zu seinem ersten Auftreten in Matzen auch den Auftrag von seinem Vorgesetzten, „für Ordnung in den Bänken – d. h. für Sitzordnung nach den Geschlechtern getrennt zu sorgen“.
 
Gesagt – getan ! Und das trug sich folgendermaßen zu: Nach dem „Ousleiden“ hatte sich die Kirche gewohntermaßen mit Gläubigen gefüllt – selbstverständlich in der alterhergebrachten Sitte, diesie von ihren Vorfahren übernommen hatten. Und dann harrte man der Dinge, die da kommen sollten; denn die Sache mit dem forschen neuen Kaplan hatte sich herumgesprochen und alle neugierig gemacht.
 
Alles starrte auf die Sakristeitüre, die sich nach einigem Warten weit auftat. Aus der Türe schritt der Kaplan, angetran mit den kirchlichen Gewändern, und begab sich mitten vor den Hochaltar auf die oberste Stufe, damit alle ihn gut sehen konnten. Es war mucksmäuschenstill in der Kirche – alles schaute auf den geistlichen Herrn, der sich nach einigen wirkungsvollen Minuten als

„neuer Kaplan der Pfarrei Liebfrauen aus Bitburg, zu der auf die Gemeinde Matzen mit dem Irscher Hof gehören“

 
vorstellte. Das waren die ersten Worte, die der neue Kaplan Nikolaus Groß zu seinen Matzener Gläubigen sprach und deren Wirkung er eine Weile abwartete. Es geschah nichts.
 
Die Kirchenbesucher warne noch mit der Begutachtung dieser neuen kirchlichen Persönlichkeit beschäftigt, als der Geistliche auf den Altarstufen mit entsprechenden energischen linken und rechten Handbewegungen die Worte sprach:
 
„ Die Männer rechts – die Frauen links !“
 
Auf diese Anordnung war kein Mensch gefasst. Kein Wunder, dass keine Reaktion von Seiten der Kirchenbesucher erfolgte.
 
Der neue Kaplan wartete eine Weile, und als sich nicht in der gewünschten Weise tat, erklangen mit erhobener wieder die Worte:
 
„ Die Männer rechts – die Frauen links !“
 
Es vergingen wieder zwei Minuten ohne das gewünschte Ergebnis. Nur ein paar alte Frauen rutschten in ihren Bänken hin und her – einige junge Mädchen versuchten zu kichern, was durch einen energischen Stupps von seiten des Nachbarn oder der Nachbarin unterdrückt wurde. Die Männer – junge wie alte – schauten auf den Altar, auf dessen Stufen der forsche Kaplan aus Bitburg stand und seine ersten Anordnungen traf. Einige knurrten etwas in den Bart wie „Waht as dah mit hiem loa vier laos ? oder sonst etwas Unverständliches – aber nichts Schmeichelhaftes. Seine Anordnungen übertrafen ja alles bisher Dagewesene.
 
Auf einmal sagte ganz laut und vernehmlich in die unheimliche Stille ein alter Matzener die Worte:

„ Donnerjifft naoch emaol –
daht lao scheint jao e richdijen Hiemelsfierschder ze seyn !“
 

Dieses Wort an der richtigen Stelle löste die allgemeine Spannung und hatte zur Folge, dass alle Anwesenden den neuen Anordnungen nachkamen:
 
„ Die Männer rechts – die Frauen links ! „
 
Bis heute hat man sich in Matzen an diese Bankordnung gehalten. Aber nicht genug davon: Auf der forsche neue Kaplan Nikolaus Groß, der noch lebt und ein alter Herr ist, darf sich rühmen, dem Filialdorf Matzen seinen Beinahmen zu verdanken, der da heute noch heißt:
 
„ Hiemelsfierschter „ ( Himmelsförster ).
__________________
 Quelle: „Lebendige Steine“ - mehr als 1000 Jahre Bitburg-Liebfrauen
herausgegeben von der Kath. Kirchengemeinde Liebfrauen, 1981, S. 100 f.
mit freundlicher Genehmigung des Pfarramtes Liebfrauen Bitburg
 
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