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Stadtteil und Filiale Matzen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 11. Januar 2007

Hinweis: Der nachstehende Original-Text stammt aus einer Veröffentlichung im Jahr 1981. Immer wenn von "heute" die Rede ist, muss der Leser dies auf 1981 beziehen.

Stadtteil und Filiale Matzen

Geschichtliche Entwicklung
Es hatte den Anschein, als wäre über Matzen kaum noch eine verlässliche Quelle ausfindig zu machen, um die geschichtliche Entwicklung des Stadtteils im Nordosten der alten Stadt lebendig werden zu lassen.

Das hat sich gründlich verändert, in der Hauptsache durch eine ausgezeichnet geführte Chronik, die uns über Dr. Josef Mayer, Bitburg, zur Verfügung gestellt wurde. Offensichtlich hat dessen Vater als Lehrer in Matzen viele Jahrzehnte des ehemaligen Dorfes Matzen auch noch als pensionierter Lehrer privat aufmerksam verfolgt und beschrieben.

Wollte man sämtliche Quellen an Urkunden und anderen Dokumenten nachgehen, könnte man sicherlich über Matzen ein ganzes Buch schreiben. Hier müssen wir uns aber auf eine geraffte Übersicht beschränken und im Sinne der Schrift die kirchengeschichtliche Entwicklung in den Mittelpunkt rücken.

Frau Maria Epper und Herr Helmut Weber haben dazu freundlicherweise Beiträge geleistet, die wir zum Teil auszugsweise in die Berichterstattung einbringen.

Matzen wird bereits um 700 n. Chr. urkundliche genannt, ob aber die alte Siedlung keltischen, germanischen oder römischen Ursprungs ist, bleibt offen. Mayer berichtet zwar von so genannten "Höckergräbern", die zwischen "Hohlenstein" und dem "Stock" gefunden wurden und auf eine Siedlung aus der jüngeren Steinzeit schließen lassen, stellt aber nachträgliche Beweise dafür selbst in Frage.

Vergleiche zwischen Urkunden, Auslegungen und Niederschriften der - leider nur in allzu kurzer Zeit - erreichbaren Forschungsergebnisse um die Geschichte der ehemaligen Dorfsiedlung stimmen im wesentlichen überein mit der Zusammenfassung, die der letzte Lehrer in Matzen, Oberlehrer Peter Müllen, in der Festschrift Europäisches Grenzlandtreffen, Bitburg 1972, wie folgt gegeben hat:

"Der Ort wird 698 n. Chr. bereits urkundlich genannt, als die Äbtission Irmina von Trier (Gründerin des Irminienklosters) dem Bischof Willibrord die Basilika in Echternach/Luxemburg schenkte; gleichzeitig beschenkte sie die Basilika in Echternach mit dem Erbgute und dessen Zugehörungen in Matulforillare (Matzen).

In einer Urkunde aus dem Jahre 832 ist Macquila (Matzen) aufgeführt mit einem Herrenhof und 3 Höfen, 3 Hörigen und 7 Kindern. Die Herrenhöfe oder Freihöfe waren in den meisten Dörfern zu finden. Sie stellten in der Regel die Gründung der Siedlung dar. Der Inhaber des Hofes war in gehobenem Rang und bezeichnete sich als der „Sowieso“ von Matzen, Irsch, Erdorf usw.; aber er war nur ein Bürgerlicher.

Im Jahre 895 wurde dem Kloster Echternach zum Unterhalt der 40 Mönche des Konvents der Besitz in mehreren Orten z. B. u. a. Macquila bestätigt. Im 12. Jahrhundert wechselte die Lehenspflicht des Ortes über nach der Abtei St. Maximin in Trier und wurde auch später deren Besitz. 1227 wurde Matena (Matzen) mit Rittersdorf und Ewen dem Kloster St. Thomas lehenspflichtig.

Unter dem Abt Aldena verkaufte die Abtei St. Maximin zu Trier im Jahre 1484 das Lehen des Freihofes zu Matzen an Simon von Bitburg. Durch Erbschaft ging es 1496 an den Ritter Dietrich von Endringen auf Burg Rittersdorf über . Der Grundbesitz blieb weiter bei St. Maximin in Trier.

Im 16. Jahrhundert hörte der Freihof dann praktisch auf zu bestehen. Es waren Streitigkeiten wegen des Besitzes entstanden zwischen Ludolff von Bitburg und Peter, dem Sohn Hermanns von Matzen. Der Abt Lampert von St. Maximin ernannte Johann von Schwarzenburg, Johann von Hunolstein und Lobin von Neuerburg zu Schiedsrichtern. Sie sprachen jedem der Streitenden die Hälfte zu, was auch von beiden angenommen wurde. Die Teilung bedeutete das Ende des Freihofs, nicht jedoch das Ende von Matzen.

Über die weitere Entwicklung des Ortes bis 1800 sind keine wesentlichen Aufzeichnungen zu finden. Es mag eine Folge von unruhigen Zeiten gewesen sein. Der Dreißigjährige Krieg hatte die Bevölkerung des Ortes fast aussterben lassen. Cholera und Seuchen forderten in der Bevölkerung große Opfer. Im Jahre 1660 gabe es nur mehr drei Feuerstellen in Matzen: Sonnen, Neumann und Stieren. Um 1700 waren es erst wieder sieben Feuerstellen: Sonnen, Neumann, Stieren, Boor, Schwall, Schleich und Thiesen.“

Von etwa 1700 bis heute ist leider wenig überliefert. Es ist an der Zeit, durch Befragung der älteren Mitbürger die Vergangenheit zu retten, so wie Mayer durch mündliche Überlieferung Ereignisse aus der „Franzosenzeit 1796 – 1815“ festgehalten hat. Wir erfahren, dass Heinrich Stieren auf der Flucht aus der Napoleon-Armee in der Donau ertrank, dass Peter Epper sich „der Einstellung durch Flucht in die großen Kyllwälder“ entzog, dass er trotz zwölf Taler Kopfgeld „den Häschern entwischte“, dass „ein Johann Boor kämpfte für die Franzosen in Spanien“ dass einem Truppenverband „in der Scheune von Stieren“ die Kriegskasse gestohlen wude, von Geiselnahme dazu usw.

Seit der Bildung der Rheinprovinz ist Matzen eine politische Gemeinde. „Nach Aufhebung der Leibeigenschaft und Befreiung von Zins und Zehnten nahm der Wohlstand und auch die Zahl der Familien rasch zu.

1850: 35 Familien mit 268 Einwohner;
1905: 319 Einwohner
1910: 339 Einwohner
1919: 342 Einwohner
1929: 320 Einwohner

Nachdem die erste Schule, „das alte, einstöckige Häuschen, eingefallen war, entstand 1860/61 dann der jetzt stehende Schulbau“ (gemeint ist die alte Schule). Aber nicht nur von Aufschwung und Wohlstand ist die Rede. Seit 1872 verwüsteten fünf schreckliche Großbrände, der letzte wohl 1926, das Dorf, dazu kommen die Zerstörungen der letzten Kriege.

Wie der Stadtteil Matzen heute Geschichte macht, soll verdeutlicht werden am Beitrag von Helmut Weber, der von 1974 bis 1979 ehrenamtlicher Ortsvorsteher war:

„Durch die Verwaltungsreform wurde die Gemeinde Matzen mit Wirkung vom 7. Juni 1969 aufgelöst und in das Gebiet der Stadt Bitburg eingegliedert. Die Stadt Bitburg ist Rechtsnachfolgerin der früheren Gemeinde. Matzen kann zwar nicht auf Kulturdenkmäler hinweisen, ein Rückblick auf die Geschichte seit 1939 läßt jedoch ein dynamisches, rühriges und fortschrittliches Gemeinschaftsleben erkennen. Die dörfliche Idylle konnte weitgehend erhalten werden und hat insbesondere in den letzten Jahren eine Belebung erfahren.

Die Gemeinde zählte im Jahre 1939 = 332 Einwohner. Im Jahre 1950 wohnten hier 334 Bürger, deren Zahl sich im Jahre 1956 auf 371 erhöht hat. Im Monat September 1974 war die Einwohnerzahl auf 418 gestiegen und betrug im Januar 1981 = 469. Zur Zeit leben in Matzen 179 Familien in 111 Häusern.

Interessant ist die Bevölkerungsstruktur. 138 Einwohner sind bis 19 Jahre alt, Über 19 bis 60 Jahre sind 269 Bürger und über 60 Jahre insgesamt 62 Menschen alt. Für 164 Erwerbststätige wurde für 1981 Lohnsteuerkarten ausgestellt. Der weitaus größte Bevölkerungsanteil geht somit einer Arbeitnehmertätigkeit nach. Zu erwähnen ist, dass Matzen der viertgrößte Stadtteil ist. Zur Schilderung der Entwicklung gehört der Wiederaufbau der Volksschule im Jahr 1946 und deren Neubau 1956.

Die Bevölkerungsstruktur wäre unvollständig, wenn nicht die Namen der ältesten Einwohner erwähnt würden:

Otto-Paul Böer, geb. am 1. September 1893
Peter Weimann, geb. am 15. Juni 1894
Magdalena Strauch, geb. am 20. Mai 1896
Anna Weiler, geb. am 20. Mai 1896.

Auf vielfachen Wunsch wurde erstmals am 26. September 1976 im Stadtteil Matzen ein Ehrentag für die älteren Bürger durchgeführt. Seitdem ist dieses jährliche Ereignis nicht mehr aus dem Gemeindeleben wegzudenken.

Im Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde Matzen 21 Kriegstote und 7 Vermißte zu beklagen. 9 Gebäude wurden zum Teil schwer beschädigt oder ganz zerstört. Jährlich ehrt die Freiwillige Feuerwehr die Kriegstoten auch als Mahner für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Möge der Frieden im Zusammenleben der Menschen lange erhalten bleiben!

Große Bedeutung kommt der Landwirtschaft im Stadtteil Matzen zu. Während sich vor 30 Jahren 45 Haushalte ausschließlich oder überwiegend von den Erträgen aus der Landwirtschaft ernährten, hat sich die Änderung in der Erwerbsstruktur auch hier deutlich gezeigt. Heute leben noch 24 Haushalte, davon 15 ausschließlich von der Landwirtschaft. Matzen verfügt über eine Banngröße von rund 750 ha. Etwa ein Drittel Pachtflächen sind vorhanden. Zur Zeit wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt. Damit ist der Bau von Wirtschaftswegen verbunden.

Im Jahre 1963 wurde mit dem Bau einer Kläranlage begonnen. Die Kanalbaumaßnahmen und der Wasserleitungsbau in der Ortslage dauerten bis zum Jahr 1966 an. 1968 wurde die Wasserversorgungsleitung vom Königswäldchen nach Matzen hergestellt. In der Ortslage verfügt der Stadtteil über ein gut ausgebautes Straßennetz. Im Jahre 1975 wurde mit der Friedhofserweiterung begonnen, die mit dem Bau einer Friedhofskapelle einen würdigen Abschluß gebracht hat. Im Jahre 1979 wurde die Erweiterung des Gmeinschaftshauses vollendet und ein neuer Kinderspielplatz angelegt.

Träger des kulturellen Lebens sind die drei örtlichen Vereine. Lobenswert sind der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr, der Deutschen Jugendkraft (DJK) und des Karnevalsvereins Matzen. Ihnen gebührt neben der Unterstützung durch die gesamte Bevölkerung des Stadtteils ein besonderer Dank bei den Bemühungen um eine zeit- und bedarfsgerechte Erweiterung des Gemeinschaftshauses.

Welcher Gemeinschaftsinn bei den Bürgern in Matzen anzutreffen ist, zeigte sich ebenfalls bei der Renovierung der Filialkirche in den Jahren 1978/79. Hand in Hand wurden Basare vorbereitet und veranstaltet. Zusammen mit den Haussammlungen und anderen Spenden kamen insgesamt 34.200 DM zusammen. Es wird nochmals allen herzlich gedankt, die in irgendeiner Weise zum Gelingen der Renovierungsarbeiten beigetragen haben. Die Renovierungskosten betrugen insgesamt 90.906 DM. Im Jahre 1974 war die Filialkirche aus dem Eigentum der Stadt Bitburg in das der Pfarrgemeinde Bitburg-Liebfrauen übertragen worden.

Die Weichen für das Bevölkerungswachstum in Matzen wurden insbesondere durch die Erschließung der Baugebiete „Neuer Messenweg“ und „Im Wiesengrund“ gestellt. Diese Baumaßnahmen hatten in den Jahren 1964 bzw. 1973 begonnen. Die Nähe des NATO-Flugplatzes Bitburg läßt sich auch am Erscheinungsbild des Stadtteils ablesen. Zahlreiche amerikanische Familien wohnen hier zur Miete.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Grundschule im Jahre 1969 aufgelöst wurde. Seither sind die Matzener Kinder zum weitaus größten Teil in den Grund-, Haupt- und den weiterführenden Schulen in Bitburg untergebracht. Insgesamt befinden sich zur Zeit 59 Kinder in Schulausbildung. Das 1956 errichtete Schulgebäude hat inzwischen eine sinnvolle Verwendung als Gemeinschaftshaus gefunden.

Abschließend wollen wir uns den Namen der Ortsbürgermeister bzw. Ortsvorsteher zuwenden, die in diesem Ehrenamt Verantwort für die damals selbständige Gemeinde und den jetzigen Stadtteil haben bzw. noch tragen:

1945 bis 1952 Peter Kalkes
1952 bis 1956 Peter Weimann
1956 bis 1974 Baptist Trierweiler
1974 bis 1979 Helmut Weber
1979 bis heute Josef Richertz

Die Bürger des Stadtteils Matzen wünsche sich eine kontinuierliche Fortentwicklung unter Wahrung der Voraussetzungen für gute Beziehungen im Gemeinschaftsleben.
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Quelle: „Lebendige Steine“ - mehr als 1000 Jahre Bitburg-Liebfrauen
Herausgeber: Kath. Kirchengemeinde Bitburg-Liebfrauen (1981)
mit freundlicher Gemehmigung des Pfarramtes Liebfrauen Bitburg


 
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